Die Tüte

Da bin ich wieder. Zum ersten Mal in diesem Jahr auf der Bahn. Es sieht trist aus hier: die einst so rote Bahn nass und schmutzig – alter Rasen und letzte Silvesterknaller liegen herum – es windet und ist kalt.

Garstig ist es, aber allein bin ich nicht! Unterstützt werde ich von einer Tüte. Einer grünen Plastiktüte, die zeitgleich mit mir angeflattert kommt. Das schlechte Wetter macht ihr nichts aus.

Zügig lege ich los. Weil ich nicht viel Zeit habe, nachher haben wir noch etwas vor.
Der Kopf ist willig, viel kommt aber nicht an, auf der Bahn. Das Einlaufen hatte sich gut angefühlt, aber jetzt scheinen sie müde zu sein, die Beine. Zum Glück ist da die Tüte: sie knittert mir ihre Anfeuerungsrufe zu! Jede Runde, mal von innen, mal von außen.

Leider werden sie nicht besser, meine Zeiten, als die Intervalle ihren Lauf nehmen. Aber anstatt dass sie ihre Ecken über ihren Löchern zusammenschlägt, bleibt meine Tüte unverzagt. Sie flattert hin und flattert her und schreit sich mit dem lauten Anfeuerungsgeschrei den ganzen Beutel leer. Sie tanzt sogar für mich. Und springt! In hohen Sätzen.

Sie zeigt mir, wie ich meine Lungen aufplustern soll. Voll sollen sie sein, bis oben hin mit Sauerstoff gefüllt, so wie sie. Ich gebe mein Bestes und werde dennoch nicht schneller. Die arme Tüte! Als ich fertig bin, liegt sie ganz zerknittert und leer da. So sehr angestrengt hat sie sich für mich. Das nächste Mal wird wieder besser.

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