Von den Besten lernen: Marathon-Interview mit Philipp Pflieger

(c) Philipp Pflieger

(c) Philipp Pflieger

Olympia – der große Traum eines jeden Sportlers. Was für Langstreckenläufer Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) steinig begann, wird nun Realität: die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Philipp Pflieger ist einer von Deutschlands besten Langstreckenläufern auf der Bahn. Seine Spanne reicht von 1:50,90 min über 800 m bis hin zu 28:40,39 über 10000 m. Doch international reichen ihm diese Zeiten nicht, er will sich in der Königsdisziplin, dem Marathon, beweisen. Doch das Debüt beim Frankfurt-Marathon 2014 endet unvermittelt: Kreislaufkollaps. Ausstieg noch vor km 40. Das Ende eines Traums? Nicht im Fall von Philipp, der stärker zurückkommt als zuvor und schon im Frühjahr 2015 mit starken 63’51 über die Halbmarathondistanz überzeugt. Trotz des unfreiwilligen Ausstiegs bei seinem ersten Versuch läuft er beim Berlinmarathon sehr mutig und wird schließlich mit 2h12’50 belohnt. Was eine Zeit! Mit einem Schlag ist Philipp hinter Arne Gabius Deutschlands zweitschnellster Marathonläufer. Doch die Freude wird getrübt, von unangemessen hohen Qualifikationsnormen. Erst Monate später wird die Qualifikationszeit herabgesetzt, jetzt ist Philipp fast sicher in Rio mit dabei.

Wie schafft man es, trotz Scheiterns im ersten Versuch einen so mutigen Marathon zu laufen wie Philipp in Berlin? Und wie geht es weiter, bis zum Olympia-Marathon? Laufen hilft will von den Besten lernen und freut sich über die Gelegenheit, Philipp besser kennenzulernen:

Markus: Hallo Philipp, wie geht es Dir? Wie ist das Wetter in Portugal?
Philipp: Hallo Markus! Mir geht es gut und es ist schön mit meinem Team (LG Telis Finanz Regensburg) derzeit an der Algarve zu trainieren. Das Wetter ist zum Laufen bestens geeignet, 16-18°C lassen keine Wünsche offen.

Markus: Warum Portugal und nicht beispielsweise Kenia, wie viele andere? Was sind deine nächsten (Zwischen)Ziele auf dem Weg nach Rio?
Philipp: Nach Portugal kommen wir Regensburger über den Winter oft mehrmals nun schon seit vielen Jahren. Ich weiß glaube ich gar nicht mehr wie oft ich schon hier war. Die Kombination aus angenehmem Klima, guten Trainingsmöglichkeiten und überschaubarer Anreise hat uns denke ich überzeugt. Höhentraining habe ich überhaupt erst das erste Mal letzten Sommer in Vorbereitung auf den Berlin Marathon in moderater Höhe in St. Moritz ausprobiert. Das hat gut funktioniert und ich schließe nicht aus, dass es mich vielleicht auch mal noch an andere (Höhen-)Trainings-„Hotspots“ verschlagen wird. Für eine größere Gruppe wie die Unsere inklusive Nachwuchsläufern ist Höhentraining außerhalb Europas nicht zuletzt aufgrund des finanziellen Aufwands weniger praktikabel.

Markus: Zusammen mit Deinem Trainer Kurt Ring hast Du schon früh entschieden, im Frühjahr keinen Marathon zu laufen, obwohl die zunächst noch geforderten 2h12’15 in Reichweite schienen. Wusstet Ihr schon mehr als wir, war die Planung langfristiger als bis Olympia 2016 oder war Dein und Julian Flügels Anwalt zuversichtlich genug, dass Deine Zeit reichen würde?
Philipp: Also zum einen war in unserem damals aufgestellten Zweijahresplan – der natürlich idealisiert ist – an sich kein Frühjahrsmarathon 2016 vorgesehen. Das der Gedanke überhaupt aufkam lag eben daran, dass ich in Berlin zunächst die nationale Quali denkbar knapp verpasst habe. Zum anderen mussten wir auch erkennen, dass ich einfach mehr Zeit gebraucht habe mich von den Nachwirkungen des Rennens zu erholen. Ich hatte in den letzten Monaten mit ein paar Problemen zu kämpfen, die sich leider als recht zäh herausgestellt und mein geplantes Training ziemlich beeinflusst haben.
Parallel dazu haben wir im Hintergrund (Julian Flügel mit ins Boot geholt) und den Anlass genutzt ein Grundsatzproblem der Nominierung für internationale Großereignisse mit dem DLV zu „erörtern“. Dass ich mit den teils schwer nachvollziehbaren DLV-Normen schon lange nicht einverstanden bin, ist denke ich kein Geheimnis. In meinen Augen sind strenge Normen kein Gütesiegel für Top-Leistungen. Das hier ausführlich zu erörtern würde vermutlich den Rahmen sprengen, aber wenn für die Leichtathletik-Großmacht USA die internationalen Normen in Verbindung mit einem „Trial-System“ seit je her ausreichend sind, muss man das Rad nicht neu erfinden. Das ist ein zweifelsfrei transparentes System an dem es nichts zu rütteln gibt. Angesichts des umfassenden Dopingskandals der letzten Monate und die daraus zusätzlich resultierenden Hinweise halte ich das System eigene, restriktivere Normen aus Werten der Weltbestenliste zu berechnen für sehr fragwürdig. Dass dazu auch Anwälte hinzugezogen werden mussten lag an der zunächst mangelnden Gesprächsbereitschaft des Verbands.

Markus: Wie war das Gefühl, als die Norm gesenkt und Du schließlich doch noch qualifiziert warst? Überwog die Freude oder doch der Ärger, weil die Freude eigentlich schon nach Berlin gehört hätte?
Philipp: Dass ich mich in Berlin unmittelbar bei der Zielüberquerung nicht über die Olympia-Quali habe freuen können lässt sich ja leider nicht mehr ändern. Berlin war trotzdem ein Wahnsinns-Erlebnis für mich, vor allem nach der Vorgeschichte im vergangenen Jahr bei meinem ersten Versuch beim Frankfurt Marathon.
Gefreut habe ich mich vor allem auch darüber, dass nun beinahe alle Normen den internationalen Standards angepasst wurden und da schwingt durchaus eine Portion Genugtuung mit. Das ist ein großer Schritt und sorgt für internationale Chancengleichheit. Die Anspruchshaltung der Athleten wird dadurch ja nicht reduziert – ganz im Gegenteil – ich bin mir sicher wir werden uns bei den Olympischen Spielen in Rio über die ein oder andere Überraschung freuen können.

Markus: Wie war das Rennen in Berlin? Woher das Selbstvertrauen, mit 66 min auf die Hälfte anzulaufen, wo Dein Debüt doch mit einem DNF endete? Was genau passierte in Frankfurt und welche Lehren habt Ihr daraus gezogen?
Philipp: Berlin an sich war ein super organisiertes Rennen und ich hatte zweifellos auch einen guten Tag. Das Rennen habe ich wie im Tunnel erlebt und irgendwann einfach auch den Flow gespürt. Ich wusste zwar, dass sich das Training vor Berlin nicht ansatzweise mit der Vorbereitung von Frankfurt vergleichen ließ, trotzdem war ich vor dem Rennen in Berlin so nervös wie wahrscheinlich noch nie in meiner Karriere. Die Kombination aus den negativen Erlebnissen mit dem Kreislaufzusammenbruch aus dem Vorjahr und gleichzeitig trotzdem den Kindheitstraum von Olympischen Spielen zu jagen (dafür war ein Angang um 66 Minuten notwendig) war sicherlich explosiv. In der Nacht vor dem Rennen habe ich jedenfalls kaum geschlafen.
Ein großer Unterschied war sicherlich, dass wir vor der eigentlichen Marathonvorbereitung nur eine kurze Bahnsaison mit ausgewählten Rennen, dafür aber einen zweiwöchigen Regenerationsblock gesetzt haben. Das hat mir richtig gut getan.

Markus: Wie kam es dazu, dass Du vom Bahn- zum Straßenläufer wurdest? Hat Dich der Marathon schon immer fasziniert?
Philipp: Nachdem ich 2012 meinen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft gemacht habe hatte ich die Möglichkeit meinen Sport als Profi auszuüben. Das Ziel war damals schon klar: Die Olympischen Spiele 2016. Um dies zu erreichen habe ich auch schon früh an einen Wechsel auf die Straße nachgedacht und mit meinem Trainer vorbereitet.

Markus: Wie unterscheidet sich das Training vom Bahn- und Marathonläufer? Wie sieht Deine typische Trainingswoche aus und auf wie viele Wochenkilometer kommst Du?
Philipp: Also in der Grundlagenphase ist das Training bei mir gar nicht so anders. Klar, wenn ich einer unmittelbaren Marathonvorbereitung bin wird der Kilometerumfang nochmal erhöht (angestrebt sind dann üblicherweise um die 200 km) und der LongRun bekommt eine besondere Bedeutung, während ich als Bahnläufer im Sommer dann eben zweimal die Woche Tempoläufe absolviert habe und der LongRun meist durch eine Art TDL oder Fahrtspiel im Gelände ersetzt wird. In der Marathonvorbereitung komme ich meist auf um die 12 Laufeinheiten, dazu noch 2-3 Kraft- und/oder Athletik-/Stabitraining. 1-2x Koordination und leichte Sprints runden eine optimale Woche ab.

Markus: Was ist die wichtigste Einheit für den Marathon? Wie häufig läufst Du den „langen Lauf“ und wie schnell (oder langsam)? Was ist Deine Lieblings-Marathoneinheit und was macht Marathontraining Deiner Erfahrung nach aus?
Philipp: Ganz klar der „LongRun“. Also ich glaube vor Berlin letztes Jahr waren es sieben Läufe zwischen 30-40km, die man in der Regel als qualitativ hochwertig bezeichnen kann. Es ist die Kerneinheit für den Marathon und ich bin sehr froh, dass ich den LongRun auch als meine Lieblingseinheit betrachten kann.

Markus: Lässt Du Dir Dein Training von Deinem Trainer komplett vorgeben oder bist Du bei der Erstellung des Trainingsplans mit dabei? In welchen Zeiträumen wird geplant?
Philipp: Ich habe ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu meinem Trainer (Kurt Ring). Ich bin nun beinahe schon 9 Jahre bei ihm und verlasse mich auf seine umfassende Erfahrung. Er erstellt die Pläne, fragt mich heute aber auch um meine Meinung dazu. In der Regel bin ich aber immer ganz gut beraten gewesen wenn ich seine Vorschläge nicht modifiziert habe. Die sind schon ziemlich am Maximum ausgerichtet und mehr ist meist nicht ratsam. 😉

Markus: Bei der LG Telis Finanz Regensburg seid Ihr eine große, Leistungsstarke Truppe. Trainiert Ihr meist gemeinsam oder absolvierst Du den Großteil Deines Trainings alleine? Läufst Du (auch im Wettkampf) lieber in der Gruppe?
Philipp: Wenn möglich wird bei uns zusammen trainiert. Das ist bei einem Großteil der Dauerläufe an den Zwischentagen (zwischen Programmen, LongRun, etc.) meist sehr gut möglich, weil das Niveau in der Gruppe ziemlich gut ist. Bei den für mich harten Einheiten versucht mein Trainer dann trotzdem so zu kombinieren, dass alle etwas davon haben. D. h., dass bspw. jüngere Athleten Teilstrecken meines Tempolaufprogramms mit mir laufen.
Auch im Wettkampf empfinde ich eine Gruppe definitiv als Vorteil.

Markus: Wie wichtig sind gute Tempomacher für einen guten Marathon? Und was ist wichtiger: Bestzeiten oder Medaillen?
Philipp: Gute Tempomacher im Marathon sind schwer zu finden. Es geht ja nicht nur darum jemanden zu haben der schnell rennen kann, vor allem das Gefühl für ein gleichmäßiges Tempo und ein Gespür für die Gruppe, die man führen soll, ist sehr wichtig.
Die Frage nach Bestzeiten oder Medaillen ist schwierig. Ich denke Bestzeiten sind sicherlich ein sehr guter Gradmesser für die eigene Entwicklung und mir persönlich sehr wichtig. Eines meiner ureigenen Ziele ist, seit ich diesen Sport betreibe, die eigenen körperlichen Grenzen auszuloten.
Das Gefühl ein „Wettrennen“ (im wahrsten Sinne des Wortes) zu gewinnen ist zweifellos auch ein tolles Gefühl – keine Frage. Doch gerade angesichts der jüngsten Dopingkrise sehe ich den Kampf um Medaillen leider etwas zwiespältig. Fakt ist, dass es leider wohl immer Leute geben wird, die betrügen werden und ehrliche Athleten um ihren verdienten Lohn und eben auch ihre verdienten Medaillen bringen werden. Eine nachgereichte Medaille wird niemals die unmittelbare Freude und das Gefühl bei der Siegerehrung wieder gut machen können. Deshalb sehe ich den Kampf um Medaillen inzwischen leider immer auch mit einem weinenden Auge.

Markus: Welche Wettkämpfe/Marathons würden Dich für die Zukunft reizen?
Philipp: Da gibt es jede Menge. Abgesehen von Olympischen Spielen reizen natürlich auch die ganz großen Marathons wie New York, Boston, London, Tokio, … aber auch in Deutschland gibt es tolle Veranstaltungen. Mit Frankfurt habe ich noch eine offene Rechnung zu begleichen, Hamburg bin ich noch nie gelaufen und zu Berlin wird mich nach dem Erlebnis vom letzten Jahr wohl eine ewige „Liebe“ verbinden.

(c) Philipp Pflieger

(c) Philipp Pflieger

Markus: 2010 hattest Du Dir den Fuß gebrochen und fielst die komplette Saison aus. Was hast Du aus Deinen Verletzungen gelernt? Trainierst Du deswegen heute anders? Läufst Du hauptsächlich oder absolvierst Du auch Alternativtraining?
Philipp: Ganz ehrlich: In meinen Augen ist das beste Training um schneller zu laufen – Laufen! Ganz einfach. Das wir dabei natürlich immer an einer roten Linie operieren wenn man das Maximum aus sich herausholen will gehört einfach dazu und leider lassen sich Verletzungen eben nicht (immer) vermeiden. Ich habe versucht mir anzugewöhnen sie als Teil des Prozess zu sehen und die verletzungsfreien Phasen intensiver zu genießen. Alternativtraining im Sinne von Rad oder Wasser steht bei mir so gut wie nie im Trainingsplan.
Ich versuche heute allerdings mehr auf meinen Körper zu hören und versuche Warnsignale besser zu deuten. Manchmal bewirkt ein Ruhetag zum richtigen Zeitpunkt wahre Wunder und bringt oft mehr als alles stur durchzupushen um dann vielleicht später dafür die Quittung zu bekommen.

Markus: Zum Laufen gehört nicht nur das Laufen an sich. Wie wichtig ist Rumpftraining? Wie bist du zum Thema Dehnen eingestellt? Wie häufig ist Physiotherapie nötig?
Philipp: Rumpftraining und auch Krafttraining ist fester Bestandteil meines Trainingsalltags und sind wichtige Bausteine der Verletzungsprophylaxe. Genauso betrachte ich das Dehnen und die Vor-/Nachsorge mit Blackroll & co sowie Physiotherapie, die ich üblicherweise zweimal die Woche in Anspruch nehme.

Markus: Wie motivierst Du Dich für das Training? Hast Du immer „Bock“ oder musst Du dich manchmal in die Laufschuhe zwingen? Welche Einheiten fallen Dir besonders leicht und zu welchen musst Du dich besonders aufraffen? Wie oft fällt eine im Trainingsplan vorgesehene Einheit aus?
Philipp: Nein, nein auch ich bin keine Maschine und auch bei mir gibt es Tage an denen man jetzt vielleicht nicht unbedingt bis in die Haarspitzen motiviert aus dem Bett springt. 😉 Aber man hat eben ein Ziel und wenn man sich das vor Augen führt weiß man, dass es eben notwendig ist. Die Kerneinheiten einer Woche (Tempoläufe, LongRun,…) fallen mir witziger Weise leichter, als die kompensatorischen Einheiten, die darauf folgen. 🙂
Ich denke das liegt daran, dass man dafür eben besonders motiviert ist auch wenn man weiß, dass es hart wird, während dann am nächsten Tag die Müdigkeit spürbar ist und die Beine schmerzen.

Markus: Gibt es in der Vorbereitung Wettkämpfe, die Du brauchst? Wie viel Abstand ist zum Marathon nötig?
Philipp: Ich laufe gerne Wettkämpfe. Ich mag die Atmosphäre und das Adrenalin. In der Vorbereitung auf den Berlin Marathon habe ich drei Straßenrennen (1x Halbmarathon, 2x10km) absolviert. Der letzte Wettkampf vor dem Marathon war die 10km DM in Bad Liebenzell drei Wochen vorher.

Markus: Wie sieht der „typische“ Wettkampftag bei Dir aus? Wann stehst Du auf, was isst Du, wie wärmst Du Dich auf?
Philipp: Üblicherweise stehe ich etwa vier Stunden vorher auf und beginne den Tag mit einem leichten Auftakt, d.h. ich trabe ganz locker 10-15min und nach etwas dynamischer Gymnastik, laufe ich je nach Lust und Laune 2-3 lockere Steigerungen. Dann gibt es Frühstück. Vor dem Wettkampf meist Brötchen (ausnahmsweise dann nicht Vollkorn) mit Honig oder Marmelade und dazu Kaffee. Also nichts Aufregendes. Mein Aufwärmprogramm beginne ich meist 1h vor dem Startschuss. Wenn ich eines vor einem Rennen nicht brauchen kann dann Hektik. Auch hier Basics: Einlaufen, Schwunggymnastik, Koordination und ein paar Steigerungen.

Markus: Wie lange brauchst Du, um Dich von der Belastung eines Marathons zu erholen?
Philipp: Da bin ich vielleicht nicht der beste Ratgeber, da ich ja erst einen Marathon gelaufen bin. Nach Berlin habe ich mir eine zweiwöchige Auszeit gegönnt. Vielleicht war das etwas zu wenig. Ich denke ich werde da in Zukunft noch etwas experimentieren.

Markus: Die Begründung zur herabgesetzten Qualifikationsnorm für Rio ist Doping. Wie gehst Du damit um, dass man der Konkurrenz nicht trauen kann? Glaubst Du noch an einen sauberen Leistungssport und das Funktionieren des Kontrollsystems? Wurden Dir selbst schon leistungssteigernde Substanzen angeboten?
Philipp: Ein leidiges Thema auf das ich eingangs des Interviews ja teilweise auch schon eingegangen bin. Obwohl ich mich als Optimist bezeichnen würde habe ich im Anti-Doping-Kampf kein allzu gutes Gefühl. Es wird immer Leute geben die betrügen und auch wenn sie später überführt werden sollten ist das für die betroffenen Sportler nur noch ein schwacher Trost. So lange nicht auf der ganzen Welt die gleichen Anti-Doping-Kontrollmechanismen durchgeführt werden und der Wille da ist im Zweifelsfall auch prominente Namen „zu opfern“ wird sich was die Fairness anbelangt leider nicht viel ändern. Deutschland gilt als eines der strengsten Kontrollsysteme und auch wenn die Kontrolleure nicht immer gelegen kommen, weil man verabredet oder auf dem Sprung ist etc., stehe ich da voll und ganz dahinter. Sauberer Sport muss die Maxime sein die es anzustreben gilt, aber wenn es nachwievor für ganz Afrika kein flächendeckendes Anti-Doping-Kontrollsystem gibt, in Russland die Sportler vom Staat geschützt werden usw. kommt man sich schon etwas verarscht vor.
Mir persönlich wurden noch nie leistungssteigernde Substanzen angeboten. Ich denke meine Haltung dazu dürfte hinlänglich bekannt sein. Ich könnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen.

Markus: Vielen Dank für Deine Zeit. Weiterhin viel Erfolg und schnelle Beine sowie das Rennen Deines Lebens in Rio! Hast Du einen abschließenden Tipp? Zum Laufen allgemein oder auch speziell zum Marathon?
Philipp: Ich danke dir. Es war mir eine Freude! Den Mythos Marathon kann ich jedem nur ans Herz legen, aber nehmt euch die Zeit und bereitet euch gewissenhaft und langfristig darauf vor. Dann werdet ihr einen tollen Tag haben, den ihr niemals vergessen werdet.

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