Epson SF-810 im Test

Epson GPS-Uhr SF-810Bei der neuesten GPS-Uhr von Epson, der Epson SF-810, wurden im Marketing große Fehler gemacht, denn meiner Meinung nach ist die Uhr nicht schlecht. Es wurden allerdings Erwartungen geschürt, die in keinster Weise erfüllt werden konnten. Im nachfolgenden Testbericht möchte ich erklären, warum. Denn dafür sind Tests ja da: um die Produkte konstruktiv zu kritisieren und sie dadurch besser zu machen! So will ich heute die Epson SF-810 unter dem Motto “die größte Wertschätzung einer Leistung ist eine gut durchdachte Kritik – denn nur durch Lob, Fragen und Verbesserungsvorschläge können sich Dinge weiterentwickeln“ unter die Lupe nehmen.

Große Erwartungen
In der Laufwelt ist die Epson SF-810 alles andere als gut angekommen. Beinahe in allen wichtigen Punkten wird die Uhr kritisiert: zu langsam beim Orten der Satelliten, eine absolut veraltete Darstellung des Onlineportals, eine umständliche Bedienung und noch einiges mehr. Wie bereits erwähnt denke ich, dass die Uhr durchaus Spaß machen kann. In der Produktvorstellung wird die Uhr aber als Konkurrenzprodukt zu den Großen, wie Garmin, Suunto oder Polar, dargestellt und außerdem behauptet, die Handgelenks-Pulsmessung funktioniere so zuverlässig wie ein Pulsgurt – und in diesen Vergleichen kann die SF-810 einfach nicht mithalten.

Der Test
Getestet habe ich die Uhr, wie eigentlich alle Produkte, sehr ausführlich: innerhalb von knapp zwei Monaten kommen mehr als 60 Trainingseinheiten zusammen. In Kilometern bedeutet das geschätzt über 800 – eine genaue Aufsummierung bietet die Software von Epson nicht.

Lässt man alle Vergleiche außen vor, kann man an der SF-810 einige positive Eigenschaften entdecken: die Uhr ist klein und leicht, damit angenehm zu tragen. Gleichzeitig lässt sich die Anzeige während des Laufens gut ablesen. Bis auf vereinzelte Aussetzer (drei Fehler in der Messung mit jeweils ca. 1 km Abweichung) funktioniert die Aufzeichnung gut: annehmbar für jeden, der sich mit der üblichen Abweichung von +-2% zufrieden gibt.
Im alltäglichen Gebrauch ist es nicht nötig, die Uhr an den Rechner anzuschließen, die Synchronisierung kann mit dem Smartphone über Bluetooth erfolgen. Der Akku ist gut, aber nicht so hervorragend wie angepriesen. Geschont wird er dadurch, dass die Uhr, wie die Suunto Ambit 3, den Bildschirm abschaltet, wenn sie nicht bewegt wird. Sie muss ca. ein Mal in der Woche geladen werden. Dafür ist die Ladestation robust und eindeutig, ein falsches Einlegen der Uhr nicht möglich. Die Ladezeit hält sich mit zwei Stunden auch in Grenzen.

Dennoch hat Epson noch einiges an Korrekturarbeit zu leisten, denn sehr schnell fallen Mängel auf, die bei anderen Herstellern schon längst Selbstverständlichkeit sind: So ist beispielsweise die Menüführung ziemlich umständlich (insbesondere durch eine unorthodoxe Belegung der „zurück“-Taste), das meiste kann auch an der Uhr selbst gar nicht erst eingestellt werden. Die Display-Darstellung beispielsweise kann nur in der zugehörigen App angepasst werden. Immerhin können die nervigen Tastentöne (lautes Piepsen) direkt in den Einstellungen der Uhr abgestellt werden.

Epson_SF-810_runsense_view_gpsAm auffälligsten negativ ist aber, wie eigentlich von jeder/m Tester/in bemängelt, das Onlineportal: die Darstellung braucht nicht nur lange zum Laden, sondern ist ebenso antiquiert und muss dringend modernisiert werden. Man kann es nicht anders sagen: der Anblick ist hässlich. Glücklicherweise funktioniert die direkte Übertragung an beispielsweise strava, sodass das Portal nicht zwangsweise genutzt werden muss. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wurde Anfang Februar (2016) gemacht, als die App – zumindest teilweise – optisch attraktiver gestaltet wurde.

Mich persönlich ärgert besonders, dass die Epson SF-810 die zurückgelegte Laufstrecke auf den Meter genau anzeigt. Daran, dass die meisten Uhren eine größere Genauigkeit vortäuschen, als sie leisten können und die Strecke auf 10 m genau angeben, habe ich mich gewöhnt. Die Strecke auf den Meter genau anzugeben finde ich aber schon sehr anmaßend.
Des Weiteren funktioniert der Tap-Screen, der mir beispielsweise bei Timex oder auch der V800 von Polar immer sehr viel Spaß gemacht hat, nicht richtig. Zwar reagiert die Uhr auf das Antippen und löst beispielsweise eine Runde aus, jedoch ist der Widerstand falsch eingestellt und lässt sich nicht ändern: ab einem Tempo von 3’30/km und schneller löst der Bildschirm immer wieder von alleine aus. Deshalb musste ich diese Funktionalität leider abstellen.

Ebenso abgestellt habe ich die Pulsmessung. Während die Handgelenks-Pulsmessung beispielsweise bei der Garmin FR 225 wenigstens ab und zu vernünftige Werte lieferte, misst die Epson SF-810 eigentlich durchgängig Mist: immer wieder Aussetzer, beim Intervalltraining Herzschlagfrequenzen von 85 – nicht ab und zu, sondern fast ausschließlich. Auch sehr schade! Die Werbung für die Uhr wirkt dabei fast wie Hohn:

„Mehr als 99% Genauigkeit bei der Herzfrequenzmessung im Vergleich zum Brustgurt“ – epson.de

Auch an der Übertragungsgeschwindigkeit muss dringend gearbeitet werden: Die Bluetooth-Übertragung liefert selten Fehlermeldungen, braucht aber immer zu lange. Unter einer Minute dauert es nie. Außerdem muss immer wieder bestätigt werden, dass die Daten hochgeladen werden sollen. Nach jedem Lauf zwei unnötige Klicks zu viel – wie himmlisch im Vergleich dazu, wenn die Garmin-Uhren schon alles hochgeladen haben, während man noch im Treppenhaus ist.

Als relativ kleine Kritikpunkte möchte ich noch anmerken, dass außerdem eine Trainingszusammenfassung nach dem Lauf (mit beispielsweise Streckenlänge, Geschwindigkeit, Rundenzeiten etc.) und eine Meldung, wenn der Akku nicht mehr lange kann, fehlt. Als ich es für den Test ausreizte, schaltete die Uhr einfach ab, von jetzt auf gleich. Ferner sollte es möglich sein, „Trainings“ zu löschen, ohne diese Hochzuladen, was bis jetzt nicht möglich ist.

Zum Abschluss schließlich das vielleicht Wichtigste: bis die Uhr die Satelliten geortet hat und somit laufbereit ist, kann durchaus die eine oder andere Minute vergehen. Dies lässt sich auf vergleichsweise immer noch lange 10-20 Sekunden verkürzen, wenn man direkt davor per App Satellitendaten auf der Uhr speichert.
Der Preis liegt (im März 2016 inkl. Cash-Back von 40€) bei 200€. Wären nicht gar so viele Mängel, man hätte die Uhr als Einsteigermodell empfehlen können.

Zusammenfassung
Positiv finde ich
– Gewicht und Größe der Uhr,
– den Tragekomfort und
– die Akkulaufzeit.

Negativ finde ich
– das Online-Portal,
– die Menüführung,
– das Nichtfunktionieren der Handgelenks-Pulsmessung,
– die lange Übertragungszeit der Daten,
– das Vortäuschen absoluter Genauigkeit und
– das Nichtfunktionieren des Tap-Screens.

Fazit
Schade! Eigentlich eine schöne Uhr, die nicht so protzig daherkommt. Aufgrund der vielen Mängel kann ich die Uhr aber nicht zum Kauf empfehlen.

2 Kommentare

  1. Hi Markus,

    sehr schöner Testbericht. Da steht echt alles drin, was man wissen muss. Jetzt bin ich als Freund von Nischenprodukten wenigstens nicht mehr gefährdet hier einen Fehlkauf zu tätigen.

    Welche GPS/Puls-Uhr würdest Du denn bei folgenden Vorlieben empfehlen. Scheinst ja ein paar zu kennen 😉

    Genaue HF-Messung ist für mich erste Pflicht. GPS sollte auch genau sein. Das Online-Portal würde ich am liebsten gar nicht nutzen, sondern nur mit der Uhr arbeiten. Und dann habe ich auch noch ein zartes Handgelenk, d.h. je kleiner die Uhr desto besser für mich.

    Mit meiner RC3 von Polar bin ich recht zufrieden (vor allem mit der HF-M.), aber ich habe sie jetzt schon gut 2,5 Jahre im Dauergebrauch und angesichts des total fertigen USB-Anschlusses und der Batterielebensdauer überlege ich eine Neuanschaffung.

    Danke vorab.

    Gruß Sebastian

    1. Hi Sebastian,
      danke!
      Wenn der Puls genau sein muss rate ich auf jeden Fall (noch) zum Brustgurt. Das kriegen Garmin, Polar und Suunto dann ausgezeichnet hin.
      Wenn du nur mit der Uhr schreibst meinst du wahrscheinlich für die Datenübertragung mit dem Smartphone? Dann empfehle ich Garmin, beispielsweise die FR220. Die passt auch gut zum dünnen Handgelenk – meine Frau trägt sie gerne.
      Viele Grüße
      Markus

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