WÜ2run – mein erster Firmenlauf

Ich laufe mittlerweile wettkampfmäßig schon seit über 10 Jahren. Straßen-, Cross- und Bergläufe sind mir bestens bekannt, auf der Bahn bin ich unzählige Rennen gelaufen. Von einsamen Wäldern bis zur Großstadt und von Amerika über Spanien, Frankreich, Österreich und Tschechien war alles dabei. Sogar auf hochalpinen Trails war ich schon unterwegs. Bei einem Firmenlauf aber war ich noch nie am Start.

Das sollte sich dieses Jahr ändern, auch wenn ich meine Vorbehalte (zu viel Kommerz, mehr dazu im aktuellen Pro & Kontra im LaufReport) hatte. Eine Laufveranstaltung ist eine schöne Gelegenheit, die Kollegen einmal in Sportklamotten kennenzulernen. Dreh- und Angelpunkt des WÜ2runs ist das Dallenbergbad in Würzburg, wo im Anschluss an den Lauf gebadet und geduscht werden kann und wo bei Essen und Getränken gefeiert wird. Nicht zu verwechseln ist der Würzburger Firmenlauf mit der B2run Firmenlauf-Serie, die zwar ähnlich klingt, in Würzburg aber keine Station macht.

Aber warum eigentlich Würzburg? Von zu Hause aus hört sich das nach einem ordentlichen Stück Fahrerei an. Von meiner Arbeitsstelle aber nicht, was daran liegt, dass ich seit Februar dieses Jahres bei Kurtz Ersa angestellt bin und in Kreuzwertheim arbeite. Kurtz Ersa ist ein inhabergeführter Mittelständler mit etwa 1.300 Beschäftigten und damit einer der größten Arbeitgeber im Main-Spessart. Hergestellt werden sehr unterschiedliche Produkte: Von Lötsystemen und –werkzeugen über Eisenguss und Feinblechtechnologie bis hin zu Gießerei- und Schaumstoffmaschinen.

Und genau mit diesen Schaumstoffmaschinen schließt sich der Kreis. Denn manche werden für Adidas gebaut, um damit die Boost-Sohlen herzustellen. Zwei Exemplare dieser Sohlen würde auch ich heute an den Füßen haben, um möglichst schnell 7,4 km in Würzburg zu laufen.

 

Von vielen Menschen und falscher Selbsteinschätzung

Leider wurden vor Ort meine Vorbehalte komplett bestätigt – es war einfach nur voll. Überall Menschen, was bei 4500 Anmeldungen natürlich kein Wunder ist. Dadurch ging das Teamerlebnis aber größtenteils verloren, weil man für Essen und Getränke – Gutscheine wurden uns von der Firma gestellt – ziemlich lange anstehen musste. Zum Duschen kam ich gar nicht erst.

Aber zunächst wollte ja gerannt werden. Beim Einlaufen hatte ich mich schon mit dem Anfangs- und Endteil bekannt gemacht und wusste, was auf mich zukommen würde: nach ein paar engen Kurven zunächst durch eine Unterführung, dann steil hinauf über die erste Brücke. Dann am Main entlang bis hinter zur Löwenbrücke und auf der anderen Mainseite wieder zurück. Und dann, ganz am Ende, würde es eine Treppe nach oben gehen, um wieder auf die Brücke vom Anfang zu kommen, um dann den steilen Weg diesmal hinab und durch die Unterführung wieder ins Schwimmbad zu laufen.

Dass alle Läuferinnen und Läufer nach 20 Minuten auf der ersten Brücke sind, um den Weg für die ersten wieder frei zu haben, ist mittlerweile die größte Herausforderung für die Organisation. Noch mehr Teilnehmer sind deshalb auch ausgeschlossen. Ein neuer Ansatz wurde in diesem Jahr so gewählt, dass zunächst die schnellen Frauen auf die Strecke geschickt werden, fünf Minuten später dann, in mehreren Blöcken, wir anderen. „Schnell“ bedeutete, dass sich zugetraut werden sollte, die Strecke in unter 44 min (knapp 6 min/km) bewältigen zu können.

Das Problem daran: die Selbsteinschätzung. Wer schon nach 500 m nicht mehr laufen kann, gehen muss und von uns, die fünf Minuten später gestartet sind, eingeholt wird, hätte sich eher nicht in den ersten Block stellen sollen. So war das Rennen von Anfang an eher ein Spießrutenlauf. Auch in unserem zweiten Block waren einige ganz vorne, die dort ganz sicher nicht hingehörte. Vor den Kollegen muss sich wohl bewiesen werden.

Da merkt man erst mal, was man an der entspannten Atmosphäre bei einem Volkslauf und/oder an den geregelten Abläufen bei Bahnwettkämpfen hat!

Dennoch waren natürlich auch einige flinke Läufer am Start: die Bereitschaftspolizei aus Würzburg ist stets vorne mit dabei, außerdem einige Triathleten aus der Region. Ich ließ mich mitreißen und machte den Anfängerfehler schlechthin: zu schnell loslaufen. Dadurch wurde der Rückweg eher zäh, aber immerhin war an der Treppe noch kein Stau. Als ich beim Auslaufen zurück zur Strecke lief, um noch etwas anzufeuern, war dort Zwangspause angesagt. Auf der Löwenbrücke war eine Stimmungshochburg mit vielen Zuschauern auf beiden Seiten. Aber mir wurde von einem Raucher der Qualm direkt ins Gesicht geblasen – widerlich!

 

Drachen in Würzburg

Das war er also, mein erster Firmenlauf. Die eher schwammige Kategorie „schönstes Kostüm“ war dieses Jahr eindeutig: es lief ein Drache mit. Vier Personen in einem langen, blauen Schlauch, plus ein Kopf, der vom ersten der vier getragen wurde. Ansonsten war es eine Masse an Menschen, die eine Runde um den Main drehte.

Würzburg zeigte mir später dann noch seine schöne Seite. Um nicht nachts noch durch die Weltgeschichte fahren zu müssen, blieb ich in Würzburg. Thomas stellte mir dafür seine Couch zur Verfügung. Vielen Dank an dieser Stelle. Es blieb auch noch genug Zeit, sich bei einem späten Abendessen auszutauschen.

 

Der Überblick:
Datum: Mi, 28. Juni 2017
Ort: Würzburg, Deutschland
Wettkampf: Firmenlauf Wü2run
Distanz: ca. 7,4 km
Zeit: 26:02 min
Platz: 7.
Crew: –
Schuhe: Adidas adizero adios boost 3
Ernährung: –
Fotos: kurtz ersa

 

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