Seligenstädter Wasserlauf

Sonniger Seligenstädter Wasserlauf

Am Morgen des achten Aprils 2018 ist der Festplatz am Seligenstädter Mainufer wieder einmal dicht bevölkert. Trotz der frühen Stunde am Sonntagmorgen ist die Stimmung gut, wobei zwei Themen in den bunt gemischten Gesprächen überwiegen: zum einen der vergangene Osterurlaub – wobei manche wie wir noch Skifahren waren, andere bereits im Trainingslager – zum anderen der Wunsch nach einem Sonnenstuhl, um das herrliche Wetter angemessen würdigen zu können. Auch ich könnte es mir gut vorstellen, das tolle Frühlingswetter in der Sonne liegend zu vertrödeln, doch der Urlaub ist vorbei und dem Faulenzen im Sonnenstuhl steht zunächst noch Bewegung bevor: der 39. Seligenstädter Wasserlauf steht an!

Hoch Leo, das uns gestern auf der gesamten Rückreise aus Österreich begleitete, schlug auch heute wieder kräftig zu. Für das schnelle Laufen eigentlich zu kräftig. Auch kamen für mich in den letzten beiden Wochen sehr viele Höhenmeter zusammen, sodass ich gar nicht wusste, was ich vom Rennen würde erwarten können.

Aber bei 25 km ist der Weg weit – genug Zeit, um sich erst nach dem Beginn an die Tagesform anzupassen! Die lange Strecke hatte ich mit Blick auf meinen Frühjahrsmarathon gewählt: in drei Wochen stehe ich am Start des Düsseldorf Marathons. Ein guter Abstand, um noch einmal das Wettkampftempo zu testen.

 

Der 39. Seligenstädter Wasserlauf

Schon vor Beginn des Rennens wusste ich, dass ich mich würde anstrengen müssen, unabhängig von der Zeit. Denn neben Björn Kuttich, mit dem ich ebenso schon einige Duelle ausgefochten habe und der zuletzt beim Lauf um den Winterstein eine gute Form zeigte, war wieder einmal Karl am Start, mit dem ich schon die zweite Hälfte beim Frankfurter Halbmarathon lief.

Genau diese beiden waren es dann auch, die sich mir auf dem ersten Streckenabschnitt anschlossen. Zu dritt hinter dem Führungsfahrrad her, erst 7,5 km in die eine, dann 12,5 km in die andere Richtung und zum Schluss noch 5 km zurück bis ins Ziel. Für die traditionsreiche Strecke über 25 km wird beim Seligenstädter Wasserlauf der komplette Radweg zwischen der Staustufe Klein-Krotzenburg und der Landesgrenze zu Bayern kurz vor der Schleuse Kleinostheim okkupiert.

Nach der ersten Orientierungsphase wusste ich dann schon früh, dass es heute kein richtig schnelles Rennen geben würde. Ich hatte müde Beine und auch die anderen beiden machten nicht so wirklich Druck. Außerdem hieß es wegen den warmen Temperaturen möglichst viel Energie zu sparen.

So liefen wir bis zum ersten Wendepunkt um 3’40 pro Kilometer, teilweise sogar 3’45 für einzelne Abschnitte. Nach dem Wendepunkt mussten wir dann hintereinander laufen, weil uns unsere Verfolger jetzt natürlich entgegenkamen. Das finde ich immer klasse: zum einen, weil man die Abstände sieht, zum anderen, weil sich selbst die Wettkämpfenden gegenseitig anfeuern. Motivation pur! Da lief es gleich ein bisschen leichter und bis ich mich versah, war ich bei km 9 plötzlich alleine. Björn und Karl hatten reißen lassen müssen.

Nun gut, dann eben alleine weiter. Den schönen, neu entdeckten Lauffluss wollte ich nicht unterbrechen, außerdem wollte ich, wenn ich schon eine Lücke hatte, diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gab ich weiter Gas, 3’35/km ließ sich jetzt recht locker laufen.

Aber Karl ließ sich – wie eigentlich nicht anders zu erwarten – nicht dauerhaft auf Abstand halten. Durch die Anfeuerungen vom Rand wusste ich um den ungefähren Abstand, bald kam auch sein Startnummergeraschel hinzu. Bis zum Start-Ziel-Bereich (siehe Header-Foto) hatte ich noch etwa 20 m Vorsprung, bis zum zweiten Wendepunkt waren es dann nur noch etwa 10. Ein spannendes Rennen, was ich persönlich auch gerne langweilig genommen hätte.

Amüsant waren derweil die Zurufe von der Seite (ab dem Start-Ziel-Bereich kamen die 10-km-Läufer ab 50 min entgegen). Abstände zwischen 8 und 50 m bekam ich wild durcheinandergewürfelt zugerufen. Das Rascheln aber kam beständig näher.

Zwischenzeitlich hatte ich ein Gel wortwörtlich verdrückt, an den Getränkestationen aber Wasserbecher für die Kühlung über den Kopf verpasst. So kamen zu den müden Beinen auch ein nicht mehr allzu frischer Gesamtzustand hinzu. Was also tun? Einen winzigen Tick herausnehmen, gemeinsam laufen und es auf den letzten Kilometer ankommen lassen? Erst einmal genauso weiterlaufen, fünf Kilometer sind lang. Vor zwei Jahren hatte ich das leidvoll erfahren müssen.

Heute aber kam kein Einbruch! Noch weitere zwei Kilometer konnte ich den Abstand halten, dann war meine Entscheidung gefallen: wenn ich hier schon 22 km vorneweg laufe, dann will ich auch unbedingt gewinnen! Von jetzt an also nochmal mit Dampf. Mit drei 3’30er Kilometern konnte ich meinen Vorsprung wieder so weit vergrößern, dass ich es eingangs der Zielgerade wagte, mich umzublicken. Was ich sah, ließ mich aufatmen, denn der Vorsprung war groß genug. So konnte ich die letzten hundert Meter genießen.

Es war wieder einmal ein anstrengendes Duell mit Karl. Aber wie er hinterher so schön sagte: „so ganz alleine wäre es doch langweilig!“

 

Der Überblick
Datum: So, 08. April 2018
Ort: Seligenstadt, Deutschland
Wettkampf: Seligenstädter Wasserlauf
Distanz: 25 km
Zeit: 1h30’31
Platz: 1.
Crew: Papa & Svenja
Schuhe: Nike Lunarracer
Ernährung: Gel zwischen km 15 und 19
Fotos: Papa

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