Dietzenbach Steinberg Volkslauf 2018

10 km durch den Steinberger Dschungel

Heute gab es ein Festmahl! Seit dem Schlüpfen haben sie bestimmt mit großer Vorfreude darauf gewartet, dass endlich wieder Volkslauf ist, im Wald zwischen Dietzenbach Steinberg und Heusenstamm. Die Schilder, die die Strecke markieren, sind ja dauerhaft verankert, sodass immer klar ist, welche Wegen am heutigen Sonntag hochfrequentiert sein werden. Und viel wichtiger noch: wo die Kreuzungen sind. Denn während es schwierig zu sein scheint, einen sich bewegenden Homo sapiens zu stechen und auszusaugen, bieten sich die wegweisenden Helfer, die sich überall im Wald an den kritischen Punkten postiert haben, und dort gar keine andere Chance haben, als an Ort und Stelle stehen zu bleiben, geradezu als Festmahl an. Ein Festmahl mit literweise leckerem Blut.

So würde ich es zumindest machen, wäre ich eine Mücke.

Glücklicherweise bin ich keine. Dass es heute dennoch kein Zuckerschlecken werden würde, wusste ich aber bereits gestern, als ich morgens einmal die Runde ablief. Es ist ja nicht weit von uns, dennoch mag ich den Wald auf der anderen Seite der Bahnstrecke lieber. Vielleicht, weil es lichter ist oder weil die Wege etwas besser ausgebaut sind. An den Mücken zumindest liegt es nicht, die sind derzeit überall höchst penetrant. Wehe dem, der kurz austreten muss!

Schon morgens um 9 Uhr war es heiß und schwül. Mit all dem Grün links und rechts kam ich mir vor wie im Dschungel, was noch dadurch verstärkt wurde, dass ich zwei Blindschleichen sah. Und am Sonntag sollte es noch heißer werden!

 

43. Steinberger Volkslauf

Weil es letzte Woche in Schwanheim schon ziemlich gut lief, legte ich auch heute wieder mit ordentlich Druck los, obwohl ich es zum Laufen überhaupt nicht mag, wenn es warm ist. Und wir schwitzten schon, bevor es überhaupt losging.

Der Steinberger Dschungel (Bild vom letzten Jahr) Foto: Thomas Guthmann

Trotz eines nicht allzu langsamen ersten Kilometers hatte der Führende aber bereits einige Meter an Vorsprung herausgelaufen. Zunächst versuchte ich noch, nach und nach näher heranzukommen, gab das Vorhaben aber bald wieder auf. Heute waren die Beine einfach nicht frisch genug, was zum einen sicher an der Temperatur lag, zum anderen aber immer noch die Nachwirkungen von Dienstag sind. Obwohl nicht physisch herausfordernd, war ich nach der Prüfung doch ziemlich platt.

Nachdem der zu Beginn führende Halbmarathoni mich für einige Zeit begleitet hatte, war ich bald allein auf weiter Flur. Nach vorne wurde der Abstand zu Hendrik, der später nach 34’23 gewinnen würde, immer größer, von hinten kamen die Verfolger nur langsam näher.

Schnaufen hörte ich Björn erst nach etwa 7 km hinter mir, dann dauerte es nicht lang und schon waren wir gleichauf. Eigentlich hatte er mich mitnehmen wollen, um vielleicht wieder ein Duell auszutragen, wie wir sie früher häufig auf der Bahn hatten, als wir beide noch regelmäßig drei- und fünftausend Meter auf der Bahn liefen. Das war bei mir heute aber nicht mehr drin. Ich war einfach nicht spritzig genug, sowohl vom Kopf als auch von den Beinen her. An der leichten Steigung nach km 8 musste ich ihn ziehen lassen.

Wirklich herausnehmen konnte ich aber auch nicht, denn auch die weiteren Verfolger waren nicht weit weg. Derer konnte ich mich aber erwehren und den dritten Gesamtrang ins Ziel retten. Für die Verhältnisse ging eine hohe 35er Zeit noch in Ordnung. Nach 35’55“7 war ich offiziell im Ziel.

 

Einen Becher Wasser über den Kopf, einen getrunken, kurze Fachsimpelei mit den anderen, die immer frequentierter ins Ziel einlaufen. Dann mache ich mich aber schon wieder auf, um Svenja entgegenzulaufen, die wieder ziemlich schnell auftauchte:

Der Volkslauf in Steinberg aus Svenjas Sicht

Es ist wieder Sonntag. Sonntag ist es bei uns selten ruhig, wir haben immer etwas vor. Seien es Ausflüge, Familienbesuche, lange Dauerläufe oder wieder ein Wettkampf. Wie heute. Da es Ende Mai ist, kann es kaum ein anderer Lauf sein, als der Steinberger Volkslauf. Ein absolutes Heimrennen, gerade mal 1 km von unserer Wohnung entfernt. Markus und ich wollten diesen Lauf in erster Linie dazu nutzen, um einen weiteren Haken hinter einem Lauf für die Mainlauf-Cup-Wertung zu setzen.

Markus wollte wie immer möglichst schnell laufen. Ich dagegen war entspannter, waren wir doch erst letzte Woche in Schwanheim gelaufen. Schon letzte Woche ließ ich es entspannt angehen und erwartete nicht viel, da ich derzeit eher wenig trainiere aufgrund mangelnder Zeit und vor allem wegen fehlender Motivation. Doch meine Erwartungen wurden letzte Woche übertroffen, ich lief souverän und vor allem komplett ohne Seitenstechen. In der Vergangenheit hatte mich das blöde Seitenstechen bei fast jedem Lauf trotz hervorragendem Trainingszustand ausgebremst. Mit meiner Zeit war ich mehr als zufrieden und lässt mich auf einen guten Sommer hoffen.

Auch heute war ich wie erwähnt entspannt, versuchte ebenso wie letzte Woche trotz des frühen Starts gut zu frühstücken, da ich mittlerweile die Vermutung habe, dass das Seitenstechen von zu wenig Essen vor dem Rennen kommen könnte. Ich genoss die sonntägliche Ruhe auf dem Balkon und freute mich darauf, dass meine Eltern wieder an der Strecke stehen würden.

Svenja im Steinberger Dschungel (Bild vom letzten Jahr) Foto: Thomas Guthmann

Markus und ich liefen gemeinsam direkt gemütlich von zu Hause Richtung Start. Im Wald liefen wir uns noch ein paar Minuten ein und die Temperaturen ließen mich hoffen, dass es kein allzu warmes Rennen werden würde, wie beispielsweise im letzten Jahr. Kurz vor dem Start riefen meine Eltern mir noch „ein gutes Rennen“ zu. Ebenso fanden kurze Wortwechsel mit all den bekannten Gesichtern, die man bei jedem Rennen trifft, statt.

In der schon morgendlichen prallen Sonne wurde für alle Starter über die 10 km und 21,195 km der Countdown runtergezählt. Und schon ging es los, ich hatte mich weiter vorne eingeordnet und musste somit ordentlich Gas geben, um nicht zu stolpern und umgerannt zu werden. Den ersten km überquerte ich mit 4’19, was ich meinem Sprint zu verdanken habe. Ich wusste aber, dass ich solch einen Schnitt bei meinem derzeitigen Trainingszustand nicht durchlaufen konnte. Ab km 3 wurde mir bewusst, dass es genau so heiß war wie im vergangenen Jahr. Ich stellte mich innerlich schon darauf ein, dass die Zielzeit eine langsamere als die Woche davor sein würde. Mit glühendem Kopf kämpfte ich mich bis zu km 5 und schaffte es, mir einen Becher Wasser überzugießen. Was für eine Wohltat. Zwar wurde dadurch der Schnitt nicht schneller, aber ich fühlte mich wieder besser.

Ich horchte immer wieder in mich hinein, aber auch heute schmerzte es nicht in der Seite. Mein Kopf wurde schön gekühlt und somit konnte ich die zweite Getränkestation auslassen und mich mental auf den leichten Anstieg vorbereiten, der einen von km 8 bis 9 erwartet. Als ich schließlich das 9-km-Schild passierte, wagte ich nochmal einen Blick auf die Uhr. Mein ungutes Gefühl zu Beginn war überflüssig. Ich rechnete und stellte fest, jetzt muss ich Gas geben und es wird wieder eine richtig gute Zeit! Meine Beine gaben nochmal alles und ich merkte das ich noch Kraft hatte für diesen sonst so harten letzten Kilometer. An der letzten Kurve wartete wie immer Markus auf mich, um mich auf den letzten Metern zu begleiten. Auch er sagte: „Wieder eine richtig gute Zeit heute!“ Das ermutigte mich auf den letzten 200 m unter den lauten Zurufen meiner Eltern nochmal richtig das Tempo anzuziehen. Am Ende zeigte meine Uhr eine Zielzeit von 46‘19 an. Wow, nochmal schneller als letzte Woche und das bei diesem Wetter. Und der letzte km war mit 4’21 fast genau so schnell wieder der Erste.

Ich bin zufrieden, ich bin wieder motiviert und ich kann es noch! Dies alles lässt mich auf einen schnellen Sommer mit Bestzeiten hoffen!

 

Der Überblick
Datum: So, 27. Mai 2018
Ort: Dietzenbach Steinberg, Deutschland
Wettkampf: 43. Steinberger Volkslauf
Distanz: 10 km
Zeit: 35:56 min (Markus), 46:23 min (Svenja)
Platz: 3., 15.
Crew: Brigitte & Klaus
Schuhe: Nike Lunarracer / adidas Adizero Boston Boost
Ernährung: –

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