Orientierungslauf des OLV Steinbergs auf dem Wingertsberg in Dietzenbach

Die hessischen Meisterschaften im Orientierungslauf des OLV Steinberg

Endlich wieder ein Wettkampf! Beim Orientierungslauf hat man zwar keine Startnummer auf der Brust und läuft nicht im Massenstart gegeneinander, dennoch war es schön, endlich mal wieder mit klopfendem Herzen aufgeregt an einer Startlinie zu stehen. Noch dazu daheim, denn der OLV Steinberg, unser Dietzenbacher Orientierungslaufverein, organisierte die diesjährigen hessischen Meisterschaften in Dietzenbach.

Eigentlich im großen Rahmen

Geplant waren allerdings auch diese Meisterschaften etwas anders. Eigentlich hatten sie Ende August im Rahmen der 800-Jahr-Feier der Stadt Dietzenbach stattfinden sollen. Zum Glück wurde das Wochenende nur verschoben und nicht komplett abgesagt, denn insbesondere der Orientierungslauf, bei dem gemeinsames Laufen sogar verboten ist und nur jeder mit seiner eigenen Karte unterwegs ist (Axel hat eine formidable Zusammenfassung darüber geschrieben, was Orientierungslauf ausmacht) eignet sich hervorragend für Pandemie-Zeiten. So wurde ein Hygienekonzept zusammengestellt und doch noch ein wunderbarer Wettkampf organisiert.

Die Titelkämpfe fanden an zwei Tagen statt, weil zwei unterschiedliche Disziplinen ausgetragen wurden: Sprint und Langstrecke. Bei hessischen Sprint-Meisterschaften hatte ich 2017 in Heusenstamm bereits einmal teilgenommen und großen Spaß gehabt. In diesem Wettkampfformat werden die Zeiten von zwei recht kurzen Routen aufaddiert. Am Sonntag sollte laut Ausschreibung des OLV Steinberg dann eine verkürzte Langstrecke ausgetragen werden.

Die Meisterschaften des OLV Steinberg, Teil 1: Sprint in der Altstadt

Das Wettkampfzentrum am Samstag war oben auf dem Wingertsberg. Nachdem ich meinen Leih-Chip abgeholt und mich etwas eingelaufen hatte, ging es 10 Minuten vor meiner Startzeit den Berg wieder hinab an den Rand der Altstadt. Auf nur 1,5 km Luftlinie würde sich das erste Rennen des Tages abspielen.

In verschiedenen Boxen rückt man dann bis zu seiner Startzeit vor, dabei wird der Chip gelöscht und getestet, sodass während des Rennens auch alles funktioniert. Wer einen Posten vergisst oder falsch stempelt, ist disqualifiziert.

Mit dem Start wird abgestempelt und die richtige Karte genommen – in unterschiedlichen Altersklassen liegen die Routen anders, so kann man auch nicht einfach irgendjemandem hinterherlaufen, ohne selbst zu navigieren. Als erstes gilt es, das Dreieck zu finden, das den Start markiert. Sobald man dann weiß, wo man ist und die Karte in die richtige Richtung hält, kann es losgehen.

Das klappte zwar recht schnell, dennoch war die Karte im DIN A5 Format recht klein, sodass ich während des Laufens kaum etwas erkennen konnte. Auch machte ich den Fehler, die grünen Flächen der Innenstadt als belaufbar zu deuten, obwohl der dunkle Grünton Privatgelände anzeigt, womit ich mir einige Überlegungen von vornherein hätte sparen können. Für den Sprint muss man möglichst schnell Entscheidungen über die Laufroute treffen, oft spielen ein paar Extrameter keine Rolle, solange man nicht zu viel Bedenkzeit bei der Entscheidung braucht.

Die Hauptsache aber: ich fand alle Posten! Beim ersten suchte ich zwar zunächst auf der falschen Seite und musste die Karte erneut zu Rate ziehen, dann ging es im Zickzack in der Hoffnung auf die richtige Gasse auf einen Spielplatz, wo ich zunächst am Posten vorbeischoss. Für Nr. 3 ging es Treppen hinab und über einen Parkplatz auf den nächsten Spielplatz, danach dort wieder hinaus und zunächst in ein falsches Tor, dann aber um die richtige Ecke. An der Hauptstraße entlang ging es dann zu Posten Nr. 5 und trotz Zweifeln auf der schnellsten Route zum sechsten Posten. Jetzt hatte ich ins Rennen gefunden und mich auch auf den Maßstab der Karte eingestellt. Den nächsten Innenhof sowie die Ecke von Posten Nr. 8 fand ich auf Anhieb, dann ging es zurück zur Kirche, diesmal am richtigen Posten.

Der zehnte Posten wartete am einzig möglichen Baum, dann war schon Schlussspurt angesagt: auf einem recht langen Weg zu einer Gasse und Posten Nr. 11, dann im Sprint zum finalen Brunnen und ins Ziel, wo abschließend geloggt wird. 10:59 min hatte ich gebraucht, was Rang 7 und bereits +3‘51 auf den Schnellsten bedeutete. Da hatten einige schneller gedacht als ich!

Die Meisterschaften des OLV Steinberg, Teil 2: Sprint auf dem Wingertsberg

Spaß hatte ich dennoch gehabt. Jetzt war erst einmal Pause angesagt, wofür ich mich mit Svenja, die für ein paar Fotos mitgekommen war, in die Sonne setzte. Es war ein schöner Spätsommertag.

Pause zwischen den Läufen des OLV Steinberg
Pause zwischen den beiden Läufen in der Spätsommersonne

Mit den ersten, die von Runde zwei zurückkamen, hörte ich immer öfter und von allen Seiten, der zweite Teil des Sprints sei sehr lauflastig. Klasse, also genau für mich gemacht! Nach einem erneuten kurzen Warmlaufen ging es dann wieder zehn Minuten vor der Zeit an den Start und dort wieder von Box zu Box bis zur Startlinie. Bei Runde zwei sollte die Luftlinie 2,5 km betragen (in Runde 1 war ich ~2,1 km gelaufen, in Runde 2 würden es 3,9 km werden).

Das Startdreieck war schnell ausgemacht und ich lief auch gleich auf die richtige Seite des umzäunten Gebiets, dennoch hatte ich wieder Anfangsschwierigkeiten. Mit mehr Übung geht es bestimmt aber schneller, sich auf den Maßstab der jeweiligen Karte einzustellen und den jeweiligen Standort genauer zu bestimmen.

Für Posten Nr. 1 zumindest war ein erneutes Anhalten und Checken der Karte notwendig, bis ich einen weiteren Anhang erklommen und gestempelt hatte. Dann stellte sich die Frage, ob ich hoch oder hinunter laufen sollte. Ich entschied mich für wenige Extrahöhenmeter und befestigte Wege statt den direkten Weg und musste doch wieder einen Zusatzstopp einlegen, weil ich vom Weg noch auf einen Pfad abbiegen musste. Dann aber hatte ich mich eingegroovt. Der gefühlte Umweg zum dritten Posten war genau der richtige Weg und der entsprechende Baum leicht zu finden. Dann ging es durch Dornen, die mein Schienbein zerkratzten – selbst abends im Bett spürte ich noch die Brennnesseln, die ich während des Laufs streifte – auch Posten Nr. 4 war aber direkt gefunden. In einem großen S ging es zu Posten fünf, bei dem ich keine Zweifel hatte und mich schnell fühlte, wobei ich mich fragte, ob ich immer die Nummern prüfen musste, denn dafür war immer ein zusätzliches Drehen der Karte und genaues Betrachten notwendig. Dennoch ging ich auf Nummer sicher und stempelte auch immer richtig.

Beim nächsten Posten war dann schon fast Stau im Gebüsch, den Läufer vor mir konnte ich dann aber bis zum nächsten Posten hinter dem nächsten Dickicht überholen. Nach Posten Nr. 8, wo ich erst zum falschen Baum lief, mir dadurch aber nur wenige Zusatzmeter einhandelte, ging es auf dem vielleicht längsten Teilstück zum nächsten Baum, bevor ich erneut die Steigung bei Posten 1 passierte – hier hatte ich die unüberwindbaren Zäune auf dem Schirm. Am folgenden Kleingarten und zurück an der nächsten Zaunecke fand ich die Posten sofort. Dann ging es erneut den Abhang bei Posten 1 hinauf und durch Obstbäume zum vorletzten Posten. Der kürzeste Weg zum letzten Posten war dann klar und wurde vom Schlussspurt gefolgt.

Uff, erst einmal zu Atem kommen, wenn der Weg klar ist, ist die Laufleistung der begrenzende Faktor. Es war also wirklich eine lauflastige zweite Runde. Und das zahlte sich wirklich für mich aus: mit einer Zeit von 18’58 wurde ich Vierter in diesem Lauf und Vierter Gesamt. Unglaublich: weil nur zwei vor mir aus Hessen kamen, hatte ich mir die Bronzemedaille erkämpft!

Die Meisterschaften des OLV Steinberg, Teil 3: Langstrecke

Jetzt hätte man für Sonntag natürlich denken können, die längere Strecke von 8,2 km Luftlinie würde mir entsprechend genauso gut liegen wie der zweite Lauf. Mit meiner Ankündigung, dass ich aber erst einmal alle Posten (29 würden es sein) würde finden müssen, lag ich leider sehr nahe an der Realität dieses zweiten Wettkampfformats.

Los ging es zunächst richtig famos: schnell wusste ich, wo ich mich befand und wie ich zum ersten Posten laufen wollte. Für den ersten Kilometer zeigt die GPS-Aufzeichnung trotz Karte aufnehmen, Standort finden und Stempeln des ersten Postens 4:05 min. Beim zweiten Posten hatte ich dann Glück und fand ihn direkt auf Anhieb, obwohl im Wald nur am Ende einer Schneise gelegen. Den dritten Posten zwischen zwei Hochsitzen verpasste ich dann leider und dachte schon, ich hätte Zeit verloren, richtig bitter wurde es dann aber erst beim nächsten Posten. Dieser Vierte wurde zum Verhängnis. Beim ersten Anlauf hatte ich kein Glück, sodass ich zurück zum Weg lief, um mich zu orientieren. Die gewünschte Schneise fand ich allerdings nicht, wähnte mich dennoch auf der richtigen Spur, weil ich einen Hochsitz gefunden hatte, der sich aber als der falsche herausstellte. Schon jetzt hatte ich viel Zeit verloren und wusste nicht, wie ich sonst noch navigieren sollte. Vom anderen Weg aus fand ich einen weiteren Hochsitz, der aber wieder der falsche war. Auch konnte ich nicht so recht ausmachen, wo sich der Baumbestand änderte.

Fast schon hätte ich das Handtuch geworfen und wäre einfach, die Disqualifikation hinnehmend, zum fünften Posten gelaufen, um nur noch zum Spaß weiterzulaufen, da fand ich ihn schließlich. Die Auswertung im Ziel offenbarte, dass ich ganze 26:22 min dafür gebraucht hatte. Entsprechend war der Drops bereits gelutscht, aber beflügelt von endlich wieder sicheren Funden und gut zu navigierenden Teilstücken hatte ich schnell meinen Spaß an der Sache zurück.

In der Folge ging es über Wiesen und Felder, in und um Dickichte in urbanes Gebiet. Den ein oder anderen (Spiel)Platz kannte ich bereits von früheren (Nacht-)OLs, auch beim Park wusste ich, dass ich aufpassen musste auf der richtigen Flussseite zu bleiben.

Von Posten 22 auf 23 ging es dann einmal komplett durch die Stadt, acht Minuten lagen hier zwischen den Posten, ohne dass ich mich verlaufen hätte. Kurz vor diesem Posten lief ich dann plötzlich knapp hinter dem späteren Hessenmeister (für den OLV Steinberg startend). Zu Posten 24 wählte ich gar die schnellere Route, danach liefen wir mehr oder weniger gleichauf. Und weil ich Posten 28 bereits bei meinen Eskapaden um Posten Nr. 4 gefunden hatte, konnte ich zum Schluss sogar Boden gut machen.

Ein sehr positiver Abschluss eines (durch Posten 4) vermurksten Laufs. 1h25’19 hatte ich insgesamt gebraucht.

Danke für die Organisation

Allen Organisatoren und Helfern des OLV Steinberg ein großes Dankeschön! Von diesem Wochenende nehme nicht nur Wettkampfadrenalin und stolz eine Bronzemedaille mit nach Hause, sondern außerdem den Vorsatz, öfter auch die Orientierung zu trainieren. Ab den Herbstferien soll es im Verein wieder losgehen. Immer wieder macht mir diese Sportart sehr viel Spaß und bringt Abwechslung. Vielleicht finde ich dann das nächste Mal auch Posten Nr. 4, denn um das einmal allgemeiner auszudrücken: Training hilft!

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