Was hast du 2026 für gute Vorsätze?

Wo sind eure guten Vorsätze?

Es ist Samstagfrüh, und ich stehe alleine mitten im Wald. In aller Frühe zu laufen, mache ich gerne, denn so habe ich mein Sportpensum schon vor dem gemeinsamen Familienfrühstück absolviert.

Es ist noch nicht richtig hell, aber der Tag startet bereits. Ich habe schon ein Wildschwein und zwei Rehe gesehen. Weil gerade kein Flugzeug lärmend vorüberdonnert, ist es ganz still, ein Moment zum Genießen. Zum Atemspüren, zum Herzschlaglauschen. Es ist ein Moment, wie er von Michi in „Bitte laufen Sie rechts ran“ beschrieben wird, bevor er zum ersten Mal Kaisa begegnet.

Doch ich begegne niemandem. Während ich zu meinen Intervallen starte, frage ich mich deshalb: Wo sind eure guten Vorsätze?

Wozu Vorsätze?

Ganz ehrlich: wenn ich mir wie so oft für den Samstagmorgen längere Intervalle vorgenommen habe, hadere ich auch mitunter, endlich mit dem ersten davon zu starten. Weil ich weiß, dass es anstrengend werden wird. Weil es einfacher wäre, das Training nicht durchzuziehen. Aber spätestens nach dem dritten Durchschnaufen starte ich dennoch. Nicht, weil es kalt wird. Sondern weil ich ein Läufer bin.

Wer willst du sein?

Wolltest du nicht abnehmen? Hast du dir zum Jahreswechsel nicht wieder einmal vorgenommen, weniger zu schnaufen, wenn es die Treppe hinaufgeht? Wolltest du nicht überhaupt einmal die Treppe statt den Aufzug nehmen? Wolltest du nicht mit deinen Kindern um die Wette laufen können? Wolltest du nicht das Fahrrad statt das Auto nehmen?

Wolltest du nicht …?

Das alles ist schön und gut. Der Vorsatz an sich ist nichts Schlechtes. Aber warum willst du so sein? Im Grunde stellt sich nicht die Frage, was du alles willst, sondern wer du sein willst.

Motivation kommt von Motiv

Was hast du 2026 für gute Vorsätze?
Was hast du 2026 für gute Vorsätze?

Dieses Jahr war der sogenannte „Tag des Aufgebens“ am 9. Januar. Als Quitter‘s Day gilt der zweite Freitag im Januar, weil bereits dann viele Neujahrsvorsätze scheitern und die Fitnessstudios leerer werden. Ich fände es schön, wenn im Wald mehr los wäre. Dauerhaft. Und im Gegensatz zu den Studiobetreibenden verdiene ich nichts daran. Ich weiß lediglich, dass wir in einer besseren Welt leben würden, wenn alle Menschen Läufer*innen wären.

Doch um Laufen zu gehen – oder überhaupt zum Bewegen an die frische Luft zu gehen – braucht es Motivation. Gerade jetzt sogar ziemlich viel davon. Und da helfen keine guten Vorsätze, sondern die grundsätzliche Frage, wer du sein willst.

Bist du der, der aufgibt oder bist du das Vorbild?

Bist du die, die viel erzählt aber selbst nicht danach handelt?

Ich bin ein Läufer und möchte entsprechend fit sein. Ich möchte mich beim Dauerlauf mit Freunden unterhalten können. Ich möchte ab und zu diese magischen Einheiten haben, die wie von selbst gehen. Ich möchte meine Kreativität durch den stetigen Rhythmus des Laufens steigern. Und ich möchte andere dazu motivieren, es mir gleichzutun. Das trägt mich länger als jeder gute Vorsatz.

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