Hätte ich es ahnen können? Immerhin lief ich bereits in der Stadt einem riesigen Hund über den Weg, kurz darauf im Wald einem zweiten. Groß wie ein Kalb. Das war ungewöhnlich. Gleich zwei Hunde, wie ich sie in dieser Größe sonst eigentlich nie zu Gesicht bekomme. Aber ich dachte mir nichts dabei. Ehrlicherweise war ich in der Hauptsache froh, dass sie einerseits eng an der Leine geführt wurden und sich anderseits nicht für mich interessierten.
Später begegnete ich im Wald einem Pferd, also wieder einem riesigen Tier. Das wiederum ist nicht sonderlich außergewöhnlich, schließlich gibt es am Wollwiesenteich ein Gestüt. Doch während sich einst ein anderes Pferd vor mir erschrak und scheute, interessierte sich auch dieses Tier nicht für mich.
Ich hätte es also wohl nicht ahnen können.
Wintertraining am Ebertsberg
Meine Trainingswoche versuche ich derzeit so zu gestalten, dass ich neben den gemütlichen Dauerläufen einmal Ausfallschritte für die Kraftausdauer, einmal Schwellenläufe und einmal etwas knackig-Schnelles einbaue. Für Letzteres eignen sich Bergläufe besonders gut, weil man sich dabei nicht unbewusst schonen kann: Wenn man herausnimmt, dauert das Intervall nur länger.
Und der König unter den Bergintervallen ist der Ebertsberg: mit beliebig langem Anlauf steil bis zum Gipfel verlangt er Oberschenkeln wie Lunge alles ab. Ich hatte mir jüngst vorgenommen, dieses Monument entsprechend wieder öfter in die Trainingsroutine einzubauen.
Nun hatte es aber zuletzt immer wieder geschneit, sodass es in diesem Jahr erst einmal mit einem Training am Ebertsberg geklappt hatte. Umso mehr freute ich mich auf die Einheit an diesem Mittwoch.
Der Schreck auf dem Gipfel
Und diese Einheit ging gut los! Sechs Mal wollte ich auf den Ebertsberg laufen. Ab dem heute von mir gewählten Startpunkt (einer markanten Buche hinter dem zweiten Holzstapel auf der linken Wegseite in Richtung Golfplatz) brauchte ich fast exakt zwei Minuten, wobei ich auf dem flacheren Anfangsstück kraftvoll starten und die Form auf dem steilen Pfad gut halten konnte. Ich war optimistisch, dass es ein gutes Training werden würde.
Doch noch während ich auf die Zwischenzeit auf dem Bildschirm meiner Uhr schaute, raschelte es plötzlich ungewöhnlich laut. Und da stand sie, direkt vor mir, keine vier Meter entfernt: Eine gerade aufgesprungene, ausgewachsene Wildsau.
Sie muss geschlafen haben, sonst wäre sie sicher viel früher abgehauen. So erschrak sie sich sicher genauso heftig wie ich, doch rannte sie nun leider geradeaus los, geradewegs in meine Richtung!
Ich reagierte, wie sicher jedes andere vernunftbegabte Wesen auch reagiert hätte: Ich stieß einen Schrei aus! Gleichzeitig wich ich nach rechts aus, während die Wildsau glücklicherweise in die entgegengesetzte Richtung abdrehte. Gerade nochmal Schwein gehabt.
Kein Schwein unterwegs
Auf dem Weg hinunter vom Ebertsberg wähnte ich das Schwein noch in unmittelbarer Nähe, weshalb ich zunächst einmal weiter weg lief. Die Ebertsberg-Intervalle hatten sich erst einmal erledigt.
Hoffentlich hatte die Sau noch keine Junge, die sich ebenso erschrocken hätte. Unabhängig davon bitte ich um Verzeihung, dich so rüde geweckt zu haben. Entschuldigung, du siehst mich nicht so schnell wieder. Hoffentlich!