Paradoxon

Laufen ist effektiv. Das Zeit-Paradoxon.

Wer wenig Zeit für Sport hat, dem sei das Laufen empfohlen. In keiner anderen Sportart kann man so effektiv trainieren. Schuhe an und raus, wie es so schon heißt. Direkt von der eigenen Haustür, jederzeit. Und dennoch gibt es beim Laufen ein Paradoxon. Etwas, das nicht zusammenpasst. Denn auch wenn man stundenlang durch die Wälder unterwegs ist, am längsten dauert die Vor- und Nachbereitung.

Vielen bleibt heutzutage wenig Zeit für sich selbst. Beruf, Familie, Alltag – und man ist dabei jederzeit erreichbar. Da ist es ratsam, das Mobiltelefon einfach mal daheim zu lassen und eine gemütliche Runde laufen zu gehen. Allein oder auch zu zweit. Der Wald beruhigt und lässt alle anderen Sorgen vergessen.

Eins werden mit der Natur

Außerdem kann die Zeit gar nicht besser genutzt werden. Trainingsaufwand und -nutzen sind beim Laufen am besten. Gleich ob im Vergleich zu anderen Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Radfahren, wo man entweder viel Zeit für die Vorbereitung oder das Training selbst investieren muss, wie auch insbesondere gegenüber Mannschaftssportarten, bei denen man sich nach anderen zu richten hat und nicht durchgängig gefordert wird.

Dennoch: wofür braucht man beim Lauftraining am längsten?

Richtig: für die Vor- (anziehen, fertig werden, Schuhe binden, loslaufen) und Nachbereitung (ausziehen, duschen, trinken, essen und vor allem strava pflegen).

Klar, wenn es schnell gehen muss, kann es auch schnell gehen. Die Kleidung liegt schon bereit, in der richtigen Reihenfolge. Nur Aufstehen, ein Glas Wasser trinken. Uhr, Unterhose, Socken, T-Shirt, Hose und Jacke anziehen. Mütze auf, Schlüssel einstecken, Schuhe binden und los geht’s! Fünf Minuten und schon ist man unterwegs.

Bei der Rückkehr dann genauso: kaum ist die Haustür aufgeschlossen, steht man bereits unter der Dusche. Und Frühstück gab es auch schon. Abtrocknen, Alltagskleidung an und schon kann der Tag losgehen.

Ist man aber nicht in Eile, sieht das ganz anders aus. Da tun sich Zeitfresser auf, die kreativer nicht sein könnten. Die Trainingszeit an sich bleibt gleich, die Gesamtzeit aber wächst an: Was alles erledigt werden muss, bis man überhaupt loskommt! Wichtig ist dann beispielsweise die Auswahl der richtigen Funktionsunterwäsche. Der Artikel in der Fachzeitschrift, der noch genau analysiert werden muss. Und vor allem die Kudos, die zu verteilen sind.

Ist diese Trödelei nicht ein Paradoxon?

Ein Kommentar

  1. Ich bin eigentlich immer bestrebt, nicht zuviel Zeit zu vergeuden. Entweder ich lege mir die Sachen abends vorher bereits hin, so wie du das so schön beschrieben hast, oder ich habe bereits einen fixen Zeitpunkt im Kopf, an welchem ich später am Tag losrennen will. Meistens werden es dann sogar ein paar Minuten früher 😉 Vorher kann ich mich auch kaum entspannen, wenn ich weiß, dass ich sowieso nochmal raus muss. Und rechtzeitig laufen, bedeutet mehr Regeneration 😀

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