Auf dem Habichtswaldsteig folgt man stets den purpurnen Habicht-Schildern

Der Habichtswaldsteig: auf den Schwingen des Habichts

Hessen ist schön! Das haben wir zuletzt wieder auf unserer Zugfahrt nach Hamburg vor Augen geführt bekommen. Aus dem Zugfenster war alles so schön grün! Schon länger, wahrscheinlich seit Hape Kerkelings Buch über das Pilgern auf dem Jakobsweg, schwebt uns die Idee einer Mehrtageswanderung im Kopf herum. Nun gab uns der Blick aus dem Zugfenster den finalen Anstoß, einmal eine Tour zu planen. Es muss ja nicht gleich der Jakobsweg sein. Das lange Christi-Himmelfahrts-Wochenende bot sich vom Termin her an: drei Tage hatten wir Zeit. Die ausgiebige Recherche ließ uns dann schließlich den Habichtswaldsteig wählen.

So wunderschön ist der Habichtswaldsteig

Der Habichtswaldsteig verläuft über insgesamt 85 km „auf den Schwingen des Habichts“ im Landkreis Kassel von Zierenberg bis an den Edersee. Benannt ist er nach dem Habichtswälder Bergland und wird für die, die nicht genug bekommen können, noch um 113 km an Extratouren ergänzt. Wir beschränkten uns aber auf den Leitweg, der offiziell in vier Etappen aufgeteilt ist. Weil wir nur drei Tage hatten, ergab sich etwas zusätzlicher Planungsaufwand und ungewisse Streckenlängen. Trotzdem klappte fast alles wunderbar.

Das Symbol dieses Fernweges ist der Habicht – ein Greifvogel der Wälder des Habichtswaldes. Sein Flug über die Landschaft steht für ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer.

Insgesamt können wir den Steig sehr empfehlen! Es war ein tolles Abenteuer, dem hoffentlich noch viele ähnliche folgen werden. Die Route ist sehr gut ausgeschildert und führt durch eine vielfältige und abwechslungsreiche Landschaft. So sieht man durchgängig die Eingangsaussage bestätigt: Hessen ist schön! Es geht über weite Hochebenen und weiche Waldpfade, durch historische Huteflächen, märchenhafte Wälder und Wiesentäler mit so vielen verschiedenen Grüntönen. Für Abwechslung sorgen außerdem die Fernsichten von den Türmen des Schreckenbergs und der Weidelsburg.

Habichtswaldsteig, Tag 1: von Zierenberg nach Schauenburg

Die Anreise hatten wir etwas unterschätzt. Zwar ist Waldeck, wo wir unser Auto parkten, nur gute zwei Fahrstunden entfernt, allerdings muss man bei einer Punkt-zu-Punkt-Strecke natürlich erst noch zum Ausgangspunkt kommen. Obwohl alles mit Bus und Bahn einwandfrei klappte, kamen wir erst um 12 Uhr in Zierenberg an.

Start des Habichtwaldsteigs ist in Zierenberg
Marktplatz in Zierenberg

Ausgangspunkt für den Habichtswaldsteig ist der Zierenberger Marktplatz. Nach Verlassen der kleinen Ortschaft geht es dann gleich zu Beginn steil hinauf, sodass Svenja schon auf den ersten Kilometern Zweifel bekommt, ob sie überhaupt fit genug für die mehrtägige Wanderung ist. Ist sie aber natürlich: nachdem wir das Basaltschuttfeld – die blauen Steine – gemeistert haben, ist der Schreckenberg-Turm auf 460 m über Normalnull erreicht und bietet den ersten herrlichen Ausblick, auch wenn das Wetter an unserem ersten Wandertag noch nicht so sonnig und warm ist wie die folgenden beiden Tage.

Nach dieser ersten Zwischenstation folgen tolle Pfade durch viel Grün mit wechselndem Baumbestand. Dann geht es hinauf zu einer Hochebene, auf der plötzlich, nachdem uns auf den ersten Stunden nur sehr vereinzelt andere Menschen begegnet sind, sehr viel los ist. Grund ist der nahegelegene Parkplatz, ab dem sich ein wunderschöner Alpenpfad in Richtung Flugplatz schlängelt. Mit Blick auf die beeindruckenden Helfensteine – ein Blick reicht aus, um zu verstehen, warum sie einst keltische Kultstätte waren – nutzen wir das Café für eine kurze Rast.

Dann geht es weiter hinauf zu den Helfensteinen, dann weiter auf das 601 m hohe Dörnberg-Plateau und damit zur nächsten tollen Aussicht. Es wirkt, als könne man auf Kassel hinabspucken.

Hinauf zu den Helfensteinen
Hinauf zu den Helfensteinen

Weil die Zeit schon recht weit vorangeschritten ist, entschließen wir uns auf dem Bergabstück, die Route des Habichtwaldsteigs zu verlassen und in Richtung Herberge abzukürzen. So verpassen wir zwar leider den Herkules (laut strava-Kommentar eine der schönsten Stellen des Steigs), haben aber dennoch die richtige Entscheidung getroffen, weil es sonst zu spät geworden wäre. Gegen 18 Uhr kommen wir nach etwa 24 km in unserer netten Unterkunft in Schauenburg-Hoof an.

Fazit des ersten Tages: für die Anreise mehr Zeit einplanen. Entweder früher los oder weniger Wegstrecke ansetzen.

Auf dem Dörnberg-Plateau
Auf dem Dörnberg-Plateau

Habichtswaldsteig, Tag 2: von Schauenburg nach Ippinghausen

Gerade im Vergleich zum ersten Tag mit der Hochebene ist der zweite Tag recht unspektakulär. Meist geht es an Viehweiden oder Feldern entlang, ab und zu auch durch schattenspendende Wälder. Den Habichtswaldsteig lieben wir dennoch: auch auf diesem Abschnitt ist der Alltag ganz fern. Im Rückblick kommen uns die drei Tage viel länger vor, weil wir wie in einer anderen Welt waren.

Über schöne Waldpfade
Über schöne Waldpfade

Nach etwa 5 km Wegstrecke erreichen wir als erste Zwischenstation des zweiten Tages die Burgruine Falkenstein und lernen dort die Hund-Sage kennen. Wie es wohl ist, in einem mit Nägeln gespicktem Fass den Anstieg, den wir gerade erklommen haben, hinabgerollt zu werden?

Weiter geht es, wie bereits beschrieben, über viele Pfade am Rande von Feldern auf Bad Emstal zu, das wir links liegenlassen. Irgendwann erreichen wir einen kleinen See, der als Biotop für Wasservögel angelegt wurde. Die Bank am Wegesrand bietet einen Ausblick, der mit malerisch noch untertrieben ist. Eine alte Brücke passierend geht es dann weiter hinauf zur Altenstädter Warte, die man nicht nur besteigen kann, sondern wo man auch auf einer Himmelsschaukel über das Tal hinwegschaukeln kann.

Unsere größte Tagesrast legen wir heute mitten auf einem Feldweg ein. Zum einen, weil es dort einfach schön ist, zum anderen, weil heute kein Dorf passiert oder unterwegs ein Café ist, bei dem man einkehren könnte.

Zum Abschluss des Tages geht es noch ein Stück an (verlassenen?) Bahngleisen entlang, bis wir nach wieder etwa 24 km fast ohne Umweg unseren Gasthof in Ippinghausen erreichen. Ippinghausen ist ein sehr schönes kleines Dorf, das scheinbar von der Landflucht verschont geblieben ist. Gleich mehrere Häuser wurden ausnehmend schön restauriert.

Neben unserer Unterkunft gibt es kein weiteres Restaurant im Dorf und damit in ganz Ippinghausen kein einziges vegetarisches Gericht. Sogar den Salat gibt es nur mit Schinken, wobei ein Salat natürlich lange nicht die Energiespeicher nach einem ganzen Tag auf den Beinen auffüllen kann.

Fazit des zweiten Tages: Laufen hilft, denn auch recht unspektakuläre Wege bringen den Geist zur Ruhe. Außerdem: ein Café wäre schön gewesen.

Auf dem Habichtswaldsteig kurz vor Ippinghausen
Kurz vor Ippinghausen

Habichtswaldsteig, Tag 3: von Ippinghausen nach Waldeck

Auf der Weidelsburg
Auf der Weidelsburg

An unserem dritten Wandertag auf dem Habichtswaldsteig gehen wir extra früher los, um am Nachmittag noch Zeit zum Baden im Edersee zu haben. Zu Beginn geht es gleich mit dem Ortsausgangsschild von Ippinghausen auf die Ruine Weidelsburg hinauf: wieder ein absolutes Highlight des Steigs; nicht nur, weil noch viel Mauerwerk erhalten ist, sondern weil sich vom Burgturm ein herrlicher und scheinbar endloser Ausblick bietet.

Über Sepentinen geht es im Anschluss bergab bis zu einer großen Wiese, die früher einmal Turnierplatz war. Hier kann man sich so gut die Ritter in ihren prächtigen Rüstungen vorstellen, dass man schon fast die Pferde wiehern hört.

Weiter geht es dann nach Naumburg. Und hätten wir uns am Vortag noch eine Ortsquerung gewünscht müssen wir heute nicht anhalten, weil kurz vorher schon ein Café auf dem Weg lag. In Naumburg wird man nicht nur über eine große Streuobstwiese mit 100 verschiedenen Apfelsorten geführt sondern passiert außerdem die Hummelwerkstatt.

Naumburg
Naumburg

Danach ist leider, wegen Waldarbeiten, ein Abschnitt des Steigs gesperrt. Es gibt eine Umleitung über eine „Waldautobahn“, die scheinbar endlos bergan führt. Schließlich haben wir uns die Pause mit ziemlich vielen Keksen redlich verdient. Insgesamt sieht man am Rande des Habichtwaldsteigs sehr viel Verwüstung durch die schweren Waldmaschinen. Sicher braucht es an manchen Stellen Schneisen, um großflächigen Waldbränden vorzubeugen, gerade wenn es einen Sommer gibt wie im letzten Jahr. Dennoch erscheint das Vorgehen sehr rabiat. Und glaubt man dem Mitarbeiter der Umweltschutzbehörde, der uns vor dem ersten HeusenstammCross durch die heimischen Wälder führte, richten die Arbeiten meist mehr Schaden als Nutzen an. Wirklich gewinnbringend sind sie ebenso wenig.

Aber zurück zum Habichtswaldsteig, der sich langsam aber sicher dem Ende hin neigt. Als Abschluss erreichen wir Waldeck, wo wir glücklicherweise Wasserflaschen im Auto deponiert hatten. Mit warmem Sprudelwasser stoßen wir auf drei herrliche Tage im schönen Hessen an. 26,5 km waren es am dritten Wandertag und damit für uns in Summe 75 km mit 2100 Höhenmetern.

Am Ziel des Habichtswaldsteigs
Am Ziel des Habichtswaldsteigs

Der Edersee, auf den wir uns gefreut hatten, ist dann eine Enttäuschung. Er ist ziemlich verbaut, vom Sandstrand keine Spur und direkt neben der Badezone legen große Schiffe an. Mit den schweren Abgasen in der Nase wollen wir gar nicht wissen, was alles im Wasser ist und beschränken uns darauf, die Füße zu kühlen. Von der Pizzeria in Waldeck werden wir im Anschluss aber entschädigt: nicht nur der Ausblick ist noch einmal schön, auch das Essen ist exzellent.

Fazit des dritten Tages: nicht auf den Edersee freuen, sondern auf die Weidelsburg!

Einmal aus dem Alltag ausbrechen

Der Habichtswaldsteig war ein wunderbares Abenteuer, das wir ausdrücklich empfehlen können. Wir werden sicher noch ähnliche Touren unternehmen. Ausführliche Informationen und den GPX-Track findet ihr hier. Unsere Touren sind natürlich auf strava zu finden.