Es war um die Osterzeit 2023 herum. Schrödingers Kasten war geschrieben und würde im September erscheinen. Die Tage wurden wieder nennenswert länger, die Natur erwachte und man konnte endlich wieder kurze Hosen zum Laufen anziehen. Überhaupt ist der Frühling meine Lieblingsjahreszeit. Zum Leben und zum Laufen.
Ich war also am frühen Sonntagmorgen auf meiner längeren Laufrunde. Ich lief an diesem Sonntag alleine, weil Martin und Kathrin im Urlaub waren. Zu dieser Zeit lief ich gerne in Richtung Dreieich, bis hinauf zur Stangenpyramide, von wo aus man einen weiten Blick bis auf die Frankfurter Skyline hat.
Eine neue Buchidee entsteht
Um dort hinzukommen, läuft man aus Dietzenbach am Ebertsberg vorbei. Wenn man von dort hinunter in die Luderbachaue läuft und dann links abbiegt, kommt man auf eine sehr lange Gerade, die durch ein Landschaftsschutzgebiet bis zur L3317 führt. Und dort, kurz vor der Landstraße, parkten an diesem Morgen sehr viele Autos im Wald. Nicht auf dem kleinen Parkplatz, sondern entlang des Waldweges über hundert Meter ins Schutzgebiet hinein.
Nun hatten wir in der Vorbereitung auf den Heusenstamm-Cross vom Förster gelernt, wie wichtig es ist, dass Waldboden nicht verdichtet wird. Weil Waldboden nicht nur aus Erde, sondern ebenso aus vielen Hohlräumen besteht, in denen Luft und Wasser gespeichert werden. Wenn der Boden im Wald durch das Gewicht der Fahrzeuge zusammengedrückt wird, werden diese Poren zerstört: Wasser kann schlechter versickern, der Luftaustausch im Boden nimmt ab, Wurzeln können schlechter wachsen und die im Boden lebenden Organismen – wie beispielsweise Regenwürmer, Pilze und Bakterien – werden gestört.
Das Schlimme: selbst wenn die Fahrzeugspuren nicht mehr sichtbar sind, können die Verdichtungsschäden im Unterboden oft Jahrzehnte bestehen bleiben. Das ist absolut erschreckend!
So entstand der Prolog von Pfeile im Revier
Infolgedessen kam mir die Wut auf diese Ignoranz. Allein wegen Faulheit wurde hier vielfach erheblicher Schaden angerichtet. Ohne, dass auch nur einer dieser Menschen überhaupt nur ein schlechtes Gewissen bekommen hätte!
Am liebsten hätte ich meine Wut an den Fahrzeugen ausgelassen. Das wäre allerdings nicht nur strafbar, sondern auch äußerst untypisch für mich: Durchs Laufen bin ich eher ein ausgeglichener Typ. Dennoch war die Idee geboren, eine Romanfigur ein großes Messer zücken zu lassen und sämtliche Reifen zu zerstechen. Eine Figur, der der Schutz des Waldes – und der Natur – genauso wichtig ist wie mir selbst, die in der beschriebenen Situation allerdings anders reagiert als ich.
Schon stand der Prolog für den nächsten Laufkrimi fest.
