Das Osterei – zuschlagen erlaubt

Ei_Osterei_buntWo kommt es eigentlich her, das Osterei? Dass der Osterhase Eier legt, bunte noch dazu – ich zweifle! Nun, das Ei an sich symbolisiert in vielen Kulturen Fruchtbarkeit und neues Leben. Da liegt es nahe, dass das Ei für die Urchristen die Auferstehung Jesu Christi am Ostersonntag bedeutete. Und die zerbrochene Eierschale als das Grab gedeutet wurde. Die Bezeichnung „Osterei“ scheint erstmals im 17. Jahrhundert aufgetaucht zu sein, als die Bauern den Lehensherren die Steuern und Abgaben um Gründonnerstag mit Eiern bezahlen mussten, was sich mit der Reformation änderte und fortan auch Kinder und Freunde mit Eiern beschenkt wurden.

Und heute?
In Deutschland werden pro Kopf und Jahr ca. 112 Eier verspeist. Ein durchschnittliches Ei enthält ca. 250 mg Cholesterin, 7 g Eiweiß, 6 g Fett und hat ca. 90 Kalorien. Und der zweite Freitag im Oktober ist Welteitag.

Das hochwertige Eiweiß und der Schwefel in Eiern macht stumpfe Haare wieder geschmeidig und beugt Hautunreinheiten vor. Dazu sind weitere wichtige Inhaltsstoffe enthalten: Cholesterin, essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, Vitamine (alle bis auf Vitamin C) und Mineralstoffe (Calcium, Phosphor, Eisen, Kalium in größeren Mengen). Weiterhin schützt Lecithin die Leber sowie die Dickdarmschleimhaut und verbessert die Konzentrations- und Merkfähigkeit. Cholin, ein noch ziemlich unbekannter Nährstoff, der zu Acetylcholin verstoffwechselt wird, überträgt dann Nervensignale, steuert Gefühle, Stimmungen (auch die im Ei enthaltene Aminosäure Tryptophan sorgt für gute Laune und einen gesunden Schlaf) und Verhalten.

Zusätzlich scheinen Eier auch gut für die Augen zu sein, denn die im Eigelb zu hohen Anteilen enthaltenen Carotinoide Lutein und Zeaxanthin verringern nach derzeitigem Kenntnisstand dadurch das Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration, dass der sogenannte Photostress reduziert wird (Wenzel et al., 2006).

Hört sich sehr gesund an. Oft hört man aber auch, dass man wegen der hohen Cholesterinmenge nicht zu viele Eier essen sollte.

Sind Eier gesund?
Klar ist, dass Eier satt machen. Und durch das lang anhaltende Sättigungsgefühl beim Abnehmen helfen. Wer morgens ein Ei isst, isst laut Ernährungsexperten den ganzen Tag weniger. Zwei Studien, in denen beide Kontrollgruppen zwar die gleiche Kalorienmenge mit dem Frühstück aufnahmen, die eine aber zwei Eier und die anderen einen Bagel aßen, zeigten klare Vorteile im Gewichtsverlust der Ei-Esser (Vander Wal et al., 2008; Ratliff et al., 2010).

“The egg breakfast enhances weight loss” – Vander Wal et al. (2008)

Doch was ist mit dem Cholesterin? Der Stoff an sich ist ein lebenswichtiges Sterol und trägt dazu bei, Signalstoffe über die Zellmembran zu befördern. Cholesterin dient im Körper außerdem beispielsweise als Vorstufe für Hormone und Säuren. Ein zu hoher Cholesterinspiegel erhöht aber durch Gefäßverkalkung das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Tragen Eier zu einer Erhöhung bei?

Ei_Osterei_bunt2Eine Studie des Wissenschaftszentrums Weihenstephan hat nachgewiesen, dass ein bis zwei Eier pro Tag den Cholesterinspiegel nicht erhöhen, weil der Emulgator Lecithin die Cholesterinaufnahme im Körper hemmt: es bindet das Cholesterin. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (2010) liegt allerdings noch bei 2-3 Eiern pro Woche.
Auch Studien zu ernährungsbedingten Ursachen von Herzkrankheiten konnten keinen Zusammenhang zwischen einem regelmäßigen Eierkonsum (bis zu sechs Eiern pro Woche) und einer Herzerkrankung feststellen, auch nicht bei zuvor bereits erhöhtem Cholesterinspiegel (Hu, 1999; Song & Kerver, 2000).

“These findings suggest that consumption of up to 1 egg per day is unlikely to have substantial overall impact on the risk of CHD or stroke among healthy men and women.” – Hu et al. (2000)

Der Stoffwechsel funktioniert folgendermaßen: Damit der Nachschub an Cholesterin stimmt, stellt es der Körper zum Großteil selbst her. Kommt zusätzlich, wie beispielsweise durch Eier, Cholesterin aus der Nahrung hinzu, vermeiden bei Gesunden gleich zwei Sicherheitsmechanismen ein Überangebot: Zum einen wird sofort die körpereigene Produktion gedrosselt, wenn der Darm eine größere Cholesterinaufnahme aus der Nahrung meldet, zum anderen ist die Aufnahme über den Darm begrenzt. Liefert also das Eierfrühstück zu viel Cholesterin, scheidet der Körper das Überflüssige einfach wieder aus. Für Christian Prinz, Direktor der Helios Klinik für Gastroenterologie in Wuppertal, ist klar, dass es deshalb als Gesunder quasi unmöglich ist, über die Nahrung zu viel Cholesterin aufzunehmen (Berres, 2014).

“In this cross-sectional and population-based study, egg consumption made important nutritional contributions to the American diet and was not associated with high serum cholesterol concentrations.” – Song & Kerver (2000)

2013 wurden 17 Untersuchungen von chinesischen Forschern zusammengetragen, die Eierkonsum, koronare Herzerkrankungen und Schlaganfälle betrachten. Das eindeutige Fazit: Selbst wer mehr als ein Ei am Tag isst, erkrankt nicht häufiger als diejenigen, die komplett auf Ei verzichten. Generell hat das Cholesterin aus dem Ei und der Nahrung also nur einen geringen Einfluss darauf, wie viel Cholesterin im Blut zirkuliert (Berres, 2014).

Der Mechanismus, dass der Körper die eigene Produktion des berüchtigten Gallenfetts drosselt, wenn viel Cholesterin mit der Nahrung zugeführt wird, funktioniert nur ganz selten nicht. Ein Freibrief für Menschen mit Risikofaktoren (Übergewicht, Diabetes, Medikamente, Schilddrüsenunterfunktion) sind die Studien deshalb dennoch nicht. Dann muss auf die Ernährung geachtet werden!

Ei ist nicht gleich Ei
Nicht jedes Ei gleicht dem anderen. Viele, wenn nicht sogar die meisten, Hühner werden in Käfigen gehalten, ihre Nahrung basiert hauptsächlich auf Getreide. Dadurch wird die Nährstoffzusammensetzung des Eis verändert: Freilandeier enthalten mehr Omega-3-Fettsäuren. Es zeigt sich ebenso, dass Eier von Hühnern aus Freilandhaltung die doppelte Menge Carotinoide enthalten. Carotinoide sind Farbstoffe, die vor Radikalen schützen und somit als Schutz vor Krebserkrankungen dienen. Neben ethischen zwei weitere Gründe, warum man hochwertigere Eier von Hühnern aus Freilandhaltung kaufen sollte.

Ist das Ei frisch?
Zum Abschluss sei noch der Frischetest erwähnt: dafür wird das rohe Ei in ein Glas mit Wasser gelegt. Sinkt es waagrecht auf den Grund, ist das Ei vermutlich frisch. Schwimmt es hingegen im Wasser, gehört es leider in den Müll.

Frohe Ostern!

“Wer also zu Ostern Eier isst, tut seiner Gesundheit etwas Gutes.” – Zittlau (2010)

In diesem Sinne frohe Ostern!

 

Quellen:
Berres, I.; 2014. Mythos oder Medizin: Treiben Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe?. Spiegel online. URL: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/eier-ist-cholesterin-in-ostereiern-schlecht-fuers-herz-a-964465.html
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.; 2010. Cholesterinwerte im Griff. Presseinformation, DGE aktuell 09/2010 vom 17. Juni. URL: https://www.dge.de/presse/pm/cholesterinwerte-im-griff/
Hu, F. B.; Stampfer, M. J.; Rimm, E. B.; Manson, J. E.; Ascherio, A.; Colditz, G. A.; Rosner, B. A.; Spiegelman, D.; Speizer, F. E.; Sacks, F. M.; Hennekens, C. H.; Willett, W. C.; 1999. A prospective study of egg consumption and risk of cardiovascular disease in men and women. JAMA. 1999 Apr 21; 281(15): 1387-94.
Ratliff, J.; Leite, J. O.; de Ogburn, R.; Puglisi, M. J.; VanHeest, J.; Fernandez, M. L.; 2010. Consuming eggs for breakfast influences plasma glucose and ghrelin, while reducing energy intake during the next 24 hours in adult men. Nutr Res. 2010 Feb; 30(2): 96-103.
Song, W. O.; Kerver, J. M.; 2000. Nutritional contribution of eggs to American diets. J Am Coll Nutr. 2000 Oct; 19(5 Suppl): 556S-562S.
Vander Wal, J. S.; Gupta, A.; Khosla, P.; Dhurandhar, N. V.; 2008. Egg breakfast enhances weight loss. Int J Obes (Lond). 2008 Oct; 32(10): 1545-51.
Wenzel, A. J.; Gerweck, C.; Barbato, D.; Nicolosi, R. J.; Handelman, G. J.; Curran-Celentano, J.; 2006. A 12-Wk Egg Intervention Increases Serum Zeaxanthin and Macular Pigment Optical Density in Women. J Nutr 136: 2568-73.
Zittlau, J.; 2010. Dass Eier Cholesterinbomben sind, ist ein Märchen. Die Welt online. URL: http://www.welt.de/wissenschaft/article7012960/Dass-Eier-Cholesterinbomben-sind-ist-ein-Maerchen.html

2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel – Das war ja eine halbe Doktorarbeit … Ich habe es wirklich genossen ihn zu lesen 🙂
    Und das frühe Osterfrühstück nach der Osternacht mit selbstgefärbten Freilaufeiern war heute auch ein Genuss!

    Frohe Ostern! 🙂

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