Aus- und Einblicke beim Darmstädter Stadtlauf

Foto: Markus Herkert. Weitere seiner Eindrücke auf larasch.de
Foto: Markus Herkert. Weitere seiner Eindrücke auf larasch.de
Wenn man an einem Mittwochabend durch einen Park läuft, gibt es viele andere Leute, die man beobachten kann. Nehmen wir beispielsweise den Darmstädter Herrngarten, ein kleiner, grüner Park, gelegen in der Stadtmitte, zwischen TU Darmstadt, dem Staatsarchiv und der Kirche St. Elisabeth. Das Wetter ist gut, zum ersten Mal in diesem Jahr mit hochsommerlichen Temperaturen, keine Wolken an Himmel. Gerade in einer Wissenschaftsstadt wie Darmstadt mit vielen tausend Studenten lässt sich der Großteil der Anwesenden unter dem Sammelbegriff „junge Leute“ zusammenfassen, die den wunderbaren Sommerabend genießen. Dazwischen immer wieder Mückenschwärme. Vom hektischen Treiben der Stadt hier keine Spur.

Während ich also gemütlich durch den Park trabe, um mich für den Stadtlauf aufzuwärmen, sehe ich wenig Läufer. Die tummeln sich bereits in der Stadtmitte rund um die Piazza. Beobachten kann man hier viele andere Freizeitbeschäftigungen: Da wäre beispielsweise Chiller-Chris, der mit seinem Freund auf einer Parkbank entspannt. Oder Frisbee-Filip, der mit seiner Wurfscheibe Tricks und lange Würfe zeigt. Auch Hunde-Herbert schlappt hinter seinem Dackel durch den Park. Kopfhörer-Kim hört vermutlich viel zu laut Musik und Sonnen-Sandra holt sich gerade den ersten heftigen Sonnenbrand des Jahres. Ganz hinten im Park trifft Basketball-Boris einen Dreier und jubelt wie ein NBA-Profi. Hier fühle ich mich wohl und schwelge in Erinnerungen, als ich selbst noch in Darmstadt studiert habe. In die Innenstadt komme ich mittlerweile eigentlich nur noch zum Stadtlauf. Und das sehr gerne, auch wenn ich, wie in diesem Jahr noch müde von vorangegangenen Abenteuern bin und keine großartige Leistung erwarte.

Ich drehe noch eine zweite Runde durch den Herrngarten, wobei mir auffällt, dass Slackline-Simon fehlt. Auch Fußball-Franz und Decken-Daniela sind nirgends zu entdecken. Auch die sind heute wahrscheinlich beim Stadtlauf, denn dort lohnt es für Jedermann dabei zu sein. Dafür sehe ich Plapper-Paula gleich auf zwei verschiedenen Parkbänken. Einen Zusammenstoß mit Fahrrad-Fiona vermeidend mache auch ich mich schließlich auf zum Start. Es wird Zeit, dass ich vom Beobachter zum Beobachteten werde.

Mit Muskelkater, beispielsweise von Ausfallschritten und Sprüngen, konnte ich früher dennoch gute Tempoläufe absolvieren. Ich spüre aber schon beim Einlaufen, dass die Beine noch Pause brauchen, der Pep fehlt vollends. Dazu tut die Hitze das Ihrige. So werde ich selbst schnell vom Mittelstrecken-Markus, der sich von der Atmosphäre mitreißen lässt und möglichst weit vorne mit dabei sein will, zum müden-Markus, der kaum die Anstiege hinauf kommt. Aber es sind ja nur fünf Kilometer, die schneller vorbei sind, als mir die Lust vergeht. Den Motivationsloch-Markus gibt es deshalb heute nicht zu sehen. Der Darmstädter Stadtlauf, mit den vielen bekannten Gesichtern, mit den tausenden Zuschauern, mit der abwechslungsreichen Strecke und all den Erinnerungen lohnt immer einen Besuch, auch wenn, wie bei mir heute, fast zwei Minuten zur schnellsten in Darmstadt gelaufenen Zeit fehlen. Dafür konnte ich mich 17’29 lang beklatschen lassen.

Und danach? Bleibt keine Zeit zum Auslaufen. Denn zuerst gilt es, Svenja anzufeuern, die sich auch etwas länger beklatschen lässt als im letzten Jahr. Dann werden Eindrücke als Reporter gesammelt. Wie viele den Stadtlauf als Lieblingslauf bezeichnen! Auch die Stars der Elite sind mit Spaß dabei und selbst ganz knapp vor dem Start noch für einen Plausch zu haben. Joseph erzählt vom Bergtraining und zeigt einmal mehr, dass er in Darmstadt der schnellste Deutsche ist. Julian hält sich mit Blick auf Amsterdam noch nicht für richtig fit. Melina hingegen ist auf einem richtig guten Weg, Timo fand es einfach nur hart und bei Tinka läuft es immer besser. Doch dazu mehr im LaufReport. Ich selbst werde mich jetzt anderthalb Wochen ausruhen. Mit Ruhetagen, lockeren Schwimm- und Radeinheiten. Beine und Kopf müssen frisch sein, wenn die Marathonvorbereitung beginnt!

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