Orientierungslauf in Königstein

Orientierungslauf in und um Königstein

Könnte es eine schönere Kulisse für einen Orientierungslauf geben als die Burg Königstein? Wohl kaum. Die Burg ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt Königstein im Taunus, sondern außerdem eine der größten Burgruinen Deutschlands. Außerdem bietet die trapezförmige Kastellburg, die nach mehrmaligem Ausbau in den letzten Jahrhunderten heute eine Höhe von bis zu 34 Metern erreicht, vielfältige Optionen für die Routenwahl, während jährlich Uhus in der Ruine brüten, die per Webcam der Stadt beobachtet werden können. In der Nachbarschaft stehen darüber hinaus die Burgruine Falkenstein sowie die Burg Kronberg, die man ebenso im Blick hat wie den Kurort Königstein.

Die anderen Burgen würden kein Schauplatz der diesjährigen hessischen Orientierungslaufmeisterschaften sein, die Burgruine Königstein indes schon. Dort würde der erste Sprint am Sonntagmorgen stattfinden. Ausgetragen wurden in Königstein zwei Disziplinen: Lang am Samstag und Sprint im Sonntag. Beide Disziplinen kannte ich bereits aus dem Jahr 2020, als die Hessenmeisterschaften in Dietzenbach ausgetragen wurden.

Das Wochenende in Königstein hatte ich mir als Herbstziel gesetzt. Dafür war die Laufform trotz weniger Kilometer überraschend gut, wie der Stadtlauf zwei Wochen zuvor gezeigt hatte.

Für diesen Post wurden mir Schuhe und Kleidung von adidas zur Verfügung gestellt.

Tag 1: durch den Königsteiner Wald. Oder besser: über Felsen und durch Dornen.

Laufen vor der Burgruine Königstein

Der Ausgangspunkt am Samstag war das Bürgerhaus Falkenstein, geparkt werden konnte an der Grundschule oder in den umliegenden Straßen. Schon bei der Anfahrt ging es hoch hinaus: von der steilen Straße aus konnte man auf die Burgruine Falkenstein schauen. Auch diese ist in den 2013 vom Taunusklub e.V. angelegten 3-Burgen-Weg von Königstein nach Kronberg integriert. Dieser 3-Burgen-Weg ist Namensgeber der Karte („3-Burgen-Weg Nordost“), auf der die Langdistanz ausgetragen wurde.

In der Ausschreibung wurde versprochen, den Teilnehmenden beim Wettkampf eines der landschaftlich schönsten Taunusgebiete zu zeigen. Allzu viel habe ich davon leider nicht mitbekommen, vielmehr dafür den bereits im Vorfeld angekündigten Brombeerbewuchs. Gefühlt habe ich mich die Hälfte der Zeit – von der ich als Anfänger leider viel brauchte – durch Dornen gekämpft. Lediglich die zweite Hälfte ging es durch labyrinthisches Felsgelände, über Stöcke und Steine, Wege und Pfade, ab und zu durch einen Bach und immer wieder durch den doch größtenteils gut belaufbaren Wald.

Natürlich war mir bereits vor dem Wettkampf klar, dass acht Kilometer 8 km (so die offizielle Luftlinie, +330 hm) – wie Wörrstadt im Mai gezeigt hat – recht lang werden können. Sogar in der Ausschreibung stand, dass der Lauf OL-technisch anspruchsvoll sei. Damit, dass ich aber oft gar nicht erst wusste, wie ich die Posten anlaufen soll, hatte ich aber nicht gerechnet. Ohne meinen Kompass wäre ich verloren gewesen.

Im Grunde ging es recht vielversprechend los: die ersten drei Posten fand ich auf Anhieb und war guter Dinge. Beim vierten Posten stand ich dann aber bereits im Wald, ohne genau zu wissen, wo ich war. Beim OL immer ein sehr schlechtes Zeichen. Bis ich den Posten schließlich doch gefunden hatte, hatte ich die erste Bekanntschaft mit den Königsteiner Dornen gemacht.

Langdistanz impliziert, dass es lang wird

Die nächsten Posten gingen wieder besser, wobei ich beim sechsten Posten auf einem Felsen abrutschte und nach oben in besagte Dornen fiel. Beim Weiterlaufen versuchte ich, die Dornen wieder aus der Hand zu bekommen. Bis im Ziel würden noch viele in den langen Socken und an den Armen hinzukommen. Immerhin: die Schuhe boten guten Grip!

Ganz im Nordosten der Karte, auf und um den Hünerberg, war ich von Posten 8 bis 11 jedes Mal selbst überrascht, dass ich die Posten überhaupt fand. Mal sah ich die weiß-orangenen Marker bereits aus einiger Entfernung, mal konnte man fünf Meter daneben stehen und sah den Posten nicht.

Bereits beim 14. Posten dachte ich dann, dass es mir langsam reicht. Dabei hatte ich gerade einmal die Hälfte der Zwischenziele gefunden! Etwas später sah ich einen anderen Läufer, wie er sich auf einen Baumstamm setzte, um auszuruhen. Ich widerstand dem Drang, es ihm gleichzutun.

Mal war ich mir sicher, eine gute Route gewählt zu haben, nur um dann am gut versteckten Posten vorbeizurennen, mal peilte ich nur mit dem Kompass in die richtige Richtung und hatte Glück, die Markierung im Wald zu erspähen. Die letzten Posten, als auch die Höhenmeter quer durch den Wald deutlich spürbar wurden, hatten es dann noch einmal so richtig in sich, weil mir oft nicht klar war, an welcher Felswand ich mich gerade befand. Schließlich war aber Falkenstein wieder erreicht und auch der 28. Posten geloggt. Gerade dieses Loggen machte mächtig viel Spaß: die Hessenmeisterschaften waren mein erster Wettkampf, bei dem ich mit meinem Chip nur in die Nähe des Stempels musste, schon waren die Informationen übertragen und das bestätigende Piepsen zu hören.

Trotz der schweren Karte hatte ich alle Posten gefunden und neue Erfahrungen gesammelt. Umso mehr freute ich mich auf den Sonntag, wenn mehr Geschwindigkeit möglich sein würde!

Tag 2: auf Burg Königstein und durch die Altstadt

Ausgangspunkt des Doppelsprints am Sonntag war die Sankt-Angela-Schule nahe der Königsteiner Altstadt – und natürlich nahe der Burgruine! Dort ging es beim Einlaufen relativ steil hinauf. Oben angekommen bot sich ein beeindruckender Blick auf das Bauwerk sowie zurück ins Tal.

Der heutige Zerstörungsgrad der Burg Königstein dürfte zum größten Teil auf die Königsteiner Bevölkerung zurückgehen, die die Mauern der Burg – geduldet vom Herzog von Nassau – nach 1796 als Baumaterial für zahlreiche Häuser der heutigen Altstadt umfunktionierte. Sie ist übrigens ganzjährig für Besucher geöffnet. Sowohl der Burgturm als auch die meisten Keller sind zugänglich. Einen der noch erhaltenen Gewölbekeller (den sogenannten Zeughauskeller) kann man auch für private Veranstaltungen mieten.

Eigentlich war geplant, erst in der Burgruine auf zwei Ebenen zu laufen und dann den zweiten Teil durch die Altstadt anzuschließen. Die Zeiten der beiden Läufe werden für die Wertung addiert. Weil aber noch nicht alle benötigten Tore aufgeschlossen waren, wurde spontan umdisponiert. So wurde zuerst die Altstadt Königsteins Wettkampfstätte der hessischen Orientierungslaufmeisterschaften.

In der Ausschreibung versprochen wurde eine trickreiche, eng bebaute Altstadt mit versteckten Hinterhöfen sowie die ehrwürdigen Parkanlagen der Kurstadt Königstein. Man konnte beim OL also alles erleben, was die Stadt auszeichnet.

Los ging es für mich auf der Karte „Königstein im Taunus“ im Maßstab 1:3000 erst einmal bergab. Die ersten beiden Posten waren schnell gefunden, gleich beim Dritten unterlief mir aber ein Flüchtigkeitsfehler, der mich auf der falschen Grünfläche suchen und viel Zeit verlieren ließ. Im Grunde hatte ich mir damit schon viel zu viel Rückstand eingehandelt, wovon ich mir den Spaß am Wettkampf aber nicht nehmen ließ. Denn Wettkämpfe wie diesen mache ich sehr gern: durch enge Gassen, die man sonst nie entdeckt hätte, hinein in Hinterhöfe, bei denen man sich sonst gar nicht getraut hätte, hineinzugehen und natürlich, wo möglich, quer über Wiesen und Hänge, ungeachtet der Wege, solange es schneller geht.

Kreuz und quer durch Königstein im Taunus

Zwischendurch, bei Posten acht, ließ ich nochmal gut Zeit liegen, weil ich nicht genau genug geschaut hatte und auf der falschen Seite eines Tores stand. Mit mehr Übung könnte ich sicher einiges an Zeit sparen. Im Anschluss ging es gar über den Parkplatz der Sankt-Angela-Schule und damit direkt am Auto vorbei. Svenja und Jesper haben mich leider dennoch verpasst. An diesem OL-Wochenende hatten wir kein Glück. Am Tag zuvor hatten sie im Ziel auf gewartet, mussten aber zehn Minuten, bevor ich im Ziel war, zurück im Auto. So lange hatte ich gebraucht.

Nach der Parkplatz-Passage ging es zum zweiten Mal quer durch die Altstadt und dann wieder hinauf zur Burg. Hier hätte ich kürzer laufen können, war schließlich aber schnellen Schrittes im Ziel.

Ein paar Meter weiter ging es wieder in die Burg, um den Chip auszulesen. Dann hieß es Stirnlampe auf den Kopf, um auch in den Gängen der Burg gut sehen zu können. Schon stand der zweite Sprint an. Gelaufen wurde nun auf der Karte „Burgruine Königstein“ im Maßstab 1:1000. Versprochen wurde in der Ausschreibung, dass die Teilnehmenden die Touristenattraktion würden erleben können, wo normalerweise nicht mal Touristen hinkommen. Im Vorfeld hatte ich mich gefragt, ob ich mit dem veränderten Maßstab zurecht kommen würde. Die Praxis präsentierte sich einmal mehr äußerst trickreich.

Keine Zeit, um den Ausblick zu genießen

Die ersten Posten waren zwar wieder schnell gefunden, für den vierten Posten nahm ich aber den falschen Eingang, der für mich auf der Karte nicht sichtbar war. Schon stürmte ich den Burgturm nach oben, bestätigt darin, dass mir ein anderer Läufer entgegen kam. Doch die Etagen nahmen kein Ende, nie kam ein Posten in Sicht! Eigentlich hätte ich es mir sehr viel schneller denken können, dass ich falsch sein musste, schließlich können auf einer OL-Karte nur zwei Ebenen kartiert werden. Außerdem waren für die Route nur 20 Hm angegeben. Für das nächste Mal bin ich schlauer. So ärgerte ich mich kurz über mich selbst, schaute doch noch kurz in die Ferne und lief dann alle Stockwerke wieder hinunter. Auch bei diesem Lauf hatte ich mir also einen gehörigen Aussetzer erlaubt.

Zumindest lief ich in der Folge nie auf die falsche Ebene. Ich wusste, wann ich in die Gewölbe musste und wann nicht. Die Gänge waren zum Glück nicht sonderlich lang, denn meine Stirnlampe stellte sich im Vergleich zu denen der anderen als sehr leistungsschwach heraus.

Vom Gefühl her brauchte ich bis zum vorletzten Posten, um die Karte so zu verstehen, dass flüssiges Laufen möglich war. Umständlich machte es mir der zweite Sprint zusätzlich damit, dass ich meinen Chip nicht nur in die Nähe der Posten halten, sondern ganz altmodisch einstechen musste. Als ich also endlich ganz genau und sofort wusste, wo ich hinwollte, bekam ich den Chip nicht in den Posten und verlor wieder Zeit. Aber geschenkt. Beim Sprint hatte ich deutlich mehr Spaß als am Tag zuvor. Mit mehr Übung und Erfahrung kann es nur besser werden. Überhaupt hat uns Königstein gut gefallen, ein Ausflug lohnt sich!

Der Überblick
Datum: Sa, 08. Oktober 2022
Ort: Königstein im Taunus, Deutschland
Wettkampf: Hessische Meisterschaften Langdistanz-OL
Distanz: Luftlinie 8 km, 330 Hm
Zeit: 2:00:24 h
Platz: 9./12
Crew: Svenja & Jesper, OLV Steinberg
Schuhe: Adidas Terrex Agravic Flow 2.0
Ernährung: –

Datum: So, 09. Oktober 2022
Königstein im Taunus, Deutschland
Wettkampf: Hessische Meisterschaften Sprint-OL
Distanz: Luftlinie Burg 2 km, 20 Hm / Luftlinie Altstadt 3,5 km, 70 Hm
Zeit: 25:50 min / 23:03 min
Platz: 9./12
Crew: Svenja & Jesper, OLV Steinberg
Schuhe: Adidas Terrex Agravic Flow 2.0
Ernährung: –