Orientierungslauf in Tauberbischofsheim

Hessenmeister in Tauberbischofsheim

Es gab Wettkämpfe, da hätte ich auf die Frage, wie sehr ich mich auf einer Skala von eins bis zehn bereit fühlte, selbstbewusst mit „elf!“ geantwortet. Weil ich gut trainiert und bei den Kerneinheiten abgeliefert hatte. Nicht so in Tauberbischofsheim. Noch am Tag zuvor hätte ich wohl eher mit „vier“ geantwortet. Weil ich den ganzen Tag entweder auf einer Leiter gestanden oder liebe kleine Menschen und Dinge durch die Gegend getragen hatte. Außerdem war es bereits dreieinhalb Monate her, dass ich zuletzt eine Orientierungslaufkarte in der Hand gehalten hatte. Und dabei war es noch nicht einmal gut gelaufen.

Aber man muss seine eigenen Erwartungen ja auch mal übertreffen.

4Löwen-Pokal in Tauberbischofsheim

Nun mag es verwundern, dass überhaupt eine Hessenmeisterschaft in Tauberbischofsheim stattfindet. Immerhin liegt es nicht in Hessen, sondern im fränkischen Nordosten Baden-Württembergs. Der Grund liegt – wie auch bereits vor zwei Jahren in Wertheim – in der Verbindung mit dem 4Löwen-Pokal. Dieser wird vom SC Königstein veranstaltet, beinhaltet drei Einzelläufe und eine Staffel und zieht Laufende aus dem gesamten Bundesgebiet an. In den Sprint am Sonntagmorgen sind sowohl die Hessenmeisterschaft als auch die Bayrische Meisterschaft integriert. Und weil nicht nur der Orientierungslauf lockte, sondern wir auch gerne neue Städte entdecken, machten wir uns bei bestem Frühlingswetter auf den relativ langen Weg über die A3. Auf dem späteren Weg zum Bäcker gefiel uns die Mischung aus alt und neu, sowie die großen Plätze mit wenig Autos. Auch ein schöner Spielplatz lud zum längeren Verweilen ein.

In Wertheim war ich 7. in der H35 (männlich, ab 35 Jahre) geworden und hatte als vierter Hesse eine Medaille um wenige Sekunden verpasst. Diesmal hoffte ich auf etwas mehr Glück.

Orientierungslauf im Taubertal

Zum Start ging es am örtlichen Sportplatz vorbei in den Süden von Tauberbischofsheim. Wie bereits in Wertheim sah ich beim Einlaufen die Markierungen für den Taubertal100. Irgendwann werde ich dort einmal laufen müssen. Ich glaube, ich verwerfe meinen ursprünglichen Plan, mir in meiner Midlife-Crisis statt eines Sportwagens ein Carbonrad zu kaufen und einen Ironman zu finishen und laufe stattdessen durchs Taubertal. Aber so viel nur nebenbei.

Svenja hatte mir noch mitgegeben, dass ich mich anstrengen solle, weil sich sonst die Fahrt kaum gelohnt hätte. Genau das hatte ich vor. Und zum Glück fühlten sich die Beine auch gut an. Bei den Steigerungen war klar zu spüren, dass sie heute schnell laufen wollten. Ich musste nur noch den Weg finden.

Einfacher machte mir das mein neuer Postenbeschreibungshalter, den ich zu Weihnachten bekommen hatte. So hat man die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Posten sofort im Blick, ohne ständig die Karte drehen zu müssen, wie ich es sonst immer gemacht hatte. Gerade beim Sprint kann das sehr nützlich sein.

Über sieben Brücken musst du gehn

Die Zeichen standen gut: Der Start war vor einer Brücke, sodass die Laufrichtung ganz klar war. So konnte man loslaufen und erst währenddessen schauen, wo es hingeht. Ich fand zwar sofort den richtigen Weg nach links, lief im Eifer des Gefechts aber erst einmal am Posten vorbei. Auf dem Weg zurück sah ich ihn aber sofort.

Jetzt ging es in die Stadt. Den zweiten Posten fand ich umso besser und hatte jetzt ein Gefühl für die Distanzen auf der Karte. Die nächsten Posten fand ich gut, obwohl einer davon recht trickreich unten in einem Treppenabgang aufgehängt war. Mitunter ging es nur darum, möglichst schnell durch die Gassen Tauberbischofsheims zu wetzen – also genau, wie ich es mag.

Schwierig wurde es für mich, als es auf genau jenen Spielplatz ging, den wir uns für später ausgesucht hatten, weil er nicht nur schön angelegt war, sondern auch direkt neben dem großen Parkplatz lag, der für den Orientierungslauf ausgewiesen worden war. Dort lagen zwei Posten dicht beieinander, wodurch ich etwas den Sinn für die Himmelsrichtungen verlor. So rettete ich mich in der Folge zwar noch zu Posten 12, hakte dann aber beim vorletzten Posten.

Auf zum Zielspurt!

Ich verlor wertvolle Zeit, weil ich einen anderen Posten eine Kreuzung zu früh anlief. Immerhin hatte ich durch das Flüsschen, das sich um die Stadtmauer schlängelt, die grobe Orientierung behalten. Schnell war klar, welche Brücke diesmal wirklich gemeint war. Als auch dieser Posten geloggt war, konnte ich zurück zur Kreuzung meines Zeitverlusts und von dort zum Zielspurt ansetzen. Ein Kinderwagen musste in der letzten Linkskurve noch umschifft werden, dann war der Weg frei.

Und damit war der Lauf wirklich ein Sprint gewesen: Mir kam es vor, als sei ich gerade eben erst losgelaufen. 13:47 min hatte ich gerade einmal gebraucht. Beim Auslesen des Chips wurde auf meinem Ergebniszettel die „1“ ausgedruckt, ich hatte also bisher das schnellste Ergebnis stehen. Es blieb abzuwarten, wer noch alles ins Ziel kam. Doch nachdem ich meine lange Hose und Shirt vom Start geholt hatte und erneut auf die Ergebnisliste schaute, stand mein Name noch immer ganz oben. Ich hatte den Lauf und damit auch die Hessenmeisterschaft gewonnen! Das hatte ich auch beim Laufen erst ein Mal geschafft. So schmeckten Kaffee und Kuchen anschließend in der Fußgängerzone noch ein bisschen besser!

Der Überblick
Datum: So, 01. März 2026
Ort: Tauberbischofsheim, Deutschland
Wettkampf: 4-Löwen-Cup, Tag 2
Sprint: Luftlinie 3,1 km, 15 hm, 14 Posten
Zeit: 13:47 min
Platz: 1.
Crew: Svenja, Jesper und Elva, OLV Steinberg
Schuhe: Adidas Adizero Evo SL
Ernährung: –

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