Unser Sommerurlaub Abenteuer führte uns mit einer Rundreise durch den Südwesten von Finnland

Helsinki, Turku, Pori, Tampere – unser Finnland-Abenteuer

Ja, so schön ist Helsinki! Da stehen wir nun, am Beginn unserer Finnland-Reise, an einer Bushaltestelle und schauen wartend auf Parkhäuser. Für unser Sommer-Abenteuer haben wir uns in diesem jahr ein Land ausgesucht, das wir noch gar nicht kennen: Finnland, genauer den Südwesten davon. In Helsinki sollte es losgehen, dann über Turku an der Westküste noch Norden und ab Pori wieder östlich nach Tempere. Ein Reisetagebuch:

 

Sa, 04. August: Frankfurt – Helsinki

Und so startet unser Urlaub nach einem unkomplizierten Flug von Frankfurt nach Helsinki also damit, dass wir auf den Bus warten, der uns in die Innenstadt bringt, damit wir von dort mit der Tram zum Hotel kommen. Was sich zunächst recht unkompliziert anhört – so können wir schon erste Eindrücke vom bisher unbekannten Finnland und Helsinki sammeln – wird zu einer kleinen Odyssee, weil der Bus nur selten fährt und dann gefühlt ewig unterwegs ist. Die Tram fährt dann im Anschluss als einzige nicht vor dem Hauptbahnhof ab, sondern erst versteckt hinter einem Kaufhaus. Alles nicht so einfach, wenn das sonst so selbstverständlich gewordene Smartphone-Helferlein keine mobilen Daten empfangen will. Schließlich aber schaffen wir es noch zu unserem etwas abseits gelegenen Hotel in Kalastajatorppa. Hier ist es durch den See Laajalahti friedlich und ruhig.

FINNLAND, finnisch Suomi

  • Ist seit 1995 Mitglied der EU, hat den Euro als Währung.
  • Grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee.
  • Ist mit etwa 5,5 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt, der Großteil der Bevölkerung lebt in Helsinki.
  • Hat mit Finnisch und Schwedisch zwei Amtssprachen: über Jahrhunderte hinweg war Finnland ein Teil von Schweden, bevor es in das Russische Kaiserreich eingegliedert wurde. Seit 1917 ist es unabhängig. Beide Einflüsse spürt man noch heute.

Im Vergleich zum überhitzten Deutschland fühlen sich die sonnigen 23 °C angenehm kühl an. Perfekte Bedingungen für einen ersten Lauf, um weitere Eindrücke zu sammeln – diesmal hautnah. Überhaupt ist das Laufen wieder einmal das perfekte Hobby: so sehen wir überall mehr, als sonst möglich gewesen wäre. Wir starten mit einer kleinen Runde um den Kanal, sehen Parks, breite Straßen und viele Fahrradfahrer… und immer wieder Widersprüche.

 

So, 05. August: Helsinki, die Hauptstadt von Finnland

Der Dom von Helsinki

Die ersten Eindrücke sollten sich in den nächsten Tagen bestätigen. Helsinki scheint die Stadt der Widersprüche zu sein: wie der Spaziergänger, der uns beim ersten Lauf in kurzer Hose und Lackschuhen entgegenkam, gibt es auch sonst einige Gegensätze: breite Straßen wie in Amerika, nur ohne Autos, neue Villen neben alten Holzhäusern, blitzblank saubere Fußwege neben Müll und Graffiti und Felsen mitten in der Stadt. Dazu überall Fahrräder: wo bei uns abgestiegen werden soll wird hier einfach weitergefahren. Langsam zwar, wenn die Fußgänger außenherum zu viele werden, aber abgestiegen wird nicht.

Bevor wir die Innenstadt der Metropole aber besichtigen, machen wir den vielleicht schönsten Morgenlauf der gesamten Reise: 16 km um den See Laajalahti. Dort geht es über Schotter, Trails und teilweise einfach nur Holzplanken durch genau die verlassene Natur, die ich mir unter Finnland vorgestellt habe. Dabei gibt es wie erhofft immer wieder atemberaubende Blicke über das Wasser.

HELSINKI, schwedisch Helsingfors

  • Ist die Hauptstadt Finnlands und die nördlichste Hauptstadt der EU.
  • Hat mehr als 600.000 Einwohner.
  • Blieb lange unbedeutend, wurde 1812 zur Hauptstadt und gewann in der Folge an Bedeutung.

Nach dem Frühstück wird später am Tag dann Helsinki erkundet. Trotz der Widersprüche ist es eine angenehme Großstadt mit viel Grün. Beeindruckend sind die Eisbrecher im Hafen, die Kathedrale, natürlich das weiße Senatsgebäude, aber auch die Hügel im Süden der Stadt, von denen man bis nach Estland schauen kann. Viel buntes Treiben gibt es neben dem Südhafen auch auf den Esplanaden.

 

Mo, 06. August: Helsinki

Ein weiteres Kuriosum entdecken wir dann beim Lauf am Montagmorgen: eine öffentlich zugängliche Tartanbahn mit nur zwei Rundbahnen, die 280 m misst. Ein ganz anderes Laufgefühl, das wir uns gerne mit einem Hasen teilen. Diese einzigartige Laufbahn ist fast genauso kurios, wie dass es an unserer Tram-Haltestelle, die immerhin Endstation ist, kein Ticket lösen können. Vom Fahrer selbst ist das auch nicht möglich, dennoch betont er gleich doppelt, dass wir ein gültiges Ticket benötigen, um einsteigen zu dürfen. Deshalb müssen wir erst einen Kiosk finden. Zwei Stationen weiter ist einer.

Auf der „Schwedenburg“ Suomenlinna

An diesem zweiten vollen Helsinki-Tag fahren wir Schiff: Erst zum Zoo, der auf einer eigenen Insel liegt und nicht nur eine bereits ausgestorbene Rentierart beheimatet, sondern außerdem auch Elche, „normale“ Rentiere und Kängurus, zu denen man ins Gehege darf. Dann geht es wieder mit dem Schiff weiter auf die Insel Suomenlinna, auf der eine riesige Festungsanlage, die UNESCO Weltkulturerbe ist, entdeckt werden will. Dort ist es wie eine Reise in eine andere Zeit, weil man durch alte Gänge kriechen darf, die alten Gemäuer und die Abwehranlagen hautnah erleben kann. Dabei machen der Wind und die vielen Schritte müde.

 

Di, 07. August: Helsinki – Turku

Mit dem Mietwagen unterwegs

Bei unserem letzten Morgenlauf in Helsinki erkunden wir die Insel Seurasaari, auf der historische Holzhütten aus dem ganzen Land zusammengetragen sind. Diese Eindrücke vermischen sich einmal mehr mit den herrlichen Blicken über das Wasser mit der Sonne, die trotz der frühen Stunde schon ungewohnt hoch am Himmel steht. Immer wieder habe ich den Eindruck als sei es schon mitten am Tag.

Der Aurajoki fließt durch Turku

Nach einem letzten Saft beim Frühstück, der über ein Ipad gewählt werden kann, heißt es Abschied nehmen von Helsinki – wir wollen noch mehr von Finnland sehen. Bis zu unserem Mietwagen dauert es aber wieder länger. Endlich kommt dann unser Bus, dem man winken muss, damit er hält. Statt der reservierten Kompaktklasse bekommen wir dann einen Mercedes, der sich wahrlich saumäßig angenehm fahren lässt. Auch der Verkehr ist angenehm: durch die Tempolimits von 80, 100 oder 120 km/h gibt es keine Raser und Drängler (oder zumindest deutlich weniger als in Deutschland), und auch sonst geht es erstaunlich entspannt zu.

TURKU

  • War bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Stadt Finnlands.
  • Ist die Geburtsstadt von Paavo Nurmi.

    Gemeinsamer Lauf mit einem der Größten: Paavo Nurmi
  • Hat etwa 185.000 Einwohner.
  • Liegt an der Mündung des Flusses Aurajoki in die Ostsee.
  • Der Stadt vorgelagert ist das Schärenmeer mit über 20.000 Schären.
  • An der Universität Turku studieren etwa 20.000 Studenten.

So erreichen wir alsbald Turku, unternehmen einen Spaziergang am Fluss und schauen außerdem die Markthalle, die Uni, die Marina und das Schloss an. Ich lasse mich von Svenja mit der Statue von Paavo Nurmi fotografieren, wobei sie nicht so begeistert ist wie ich. Für das Abendessen finden wir einen Biergarten, der ein wenig an Bayern erinnert und schauen im Anschluss die Leichtathletik-EM auf Finnisch.

 

Mi, 08. August: Turku – Pori

Der Fluss durch Turku mit den angrenzenden Wegen und Häusern ist sehr schön, die Innenstadt gefällt uns weniger. So laufen wir am nächsten Morgen auch nur am Fluss entlang. Das ist schön, auch weil wir unsere ersten finnischen strava-Segmente erobern können.

Die hölzerne Altstadt von Rauma

Nach dem sehr liebevoll hergerichteten Frühstück geht es dann schon weiter: auf dem Weg nach Pori machen wir Zwischenstopp in Rauma, der drittältesten Stadt Finnlands, wo alle Häuser der Altstadt um die Kirche herum noch aus Holz sind. Pori wiederum, der nächste Stopp für zwei Nächte, gefällt uns leider gar nicht. Die Stadt macht keinen sonderlich einladenden Eindruck. Da sind wir froh, dass es den berühmten Strand von Yyteri am Bottnischen Meerbusen gibt, wo wir direkt schon am ersten Abend picknicken.

RAUMA

  • Ist die drittälteste Stadt Finnlands. Sie wurde 1442 gegründet.
  • Ist für ihre hölzerne Altstadt bekannt, die auch zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
  • Hat einen bedeutenden Ostseehafen.

 

Do, 09. August: Pori (Yyteri)

Am Strand von Yyteri

Einmal außerhalb der beklemmenden Innenstadt kann auch Pori schön sein: auf der anderen Flussseite, hinter dem Park, in dem das Jazz-Festival stattfindet und in dem es zutrauliche Lamas gibt, eröffnet sich eine wunderschöne Ebene. Wieder etwas, das wir ohne das Laufen verpasst hätten.

PORI

  • Ist eine alte Hafen- und Industriestadt mit etwa 85.000 Einwohnern.
  • Die Spitze des Juselius-Mausoleums orientiert sich an der Turmspitze des Frankfurter Domes.
  • Ist für den sechs Kilometer langen Strand Yyteri bekannt.

Nach dem Frühstück schauen wir uns doch noch kurz die Stadt an. Verpasst hätten wir zwar nichts, aber durch eine lange Schlange vor einem Kaufhaus merken wir zum ersten Mal, wie berühmt die Mumins in Finnland wirklich sind. Bisher fanden wir die nilpferdartigen Tierchen zwar recht süß, hatten ihnen aber keine weitere Beachtung geschenkt.

Der restliche Tag ist Strandurlaub. Yyteri ist die Côte d’Azûr Finnlands, mit weichem Sand und sauberem Wasser. Nur die Wespen nerven ab und zu. Und etwas Faulenzen im Urlaub tut ja auch mal richtig gut.

 

Fr, 10. August: Pori – Tampere

Für einen kurzen Morgenlauf, bei dem ich mit Steigerungen den Parkrun am Samstag vorbereite, während Svenja die Lamas füttert, überqueren wir noch ein letztes Mal den Fluss. Die Luftfeuchtigkeit ist hier so hoch, dass wir nicht nur ordentlich schwitzen, sondern unsere Handtücher und Klamotten auch über Nacht nicht trocknen.

Der Reiseführer war unser ständiger Begleiter

Nach dem Frühstück geht es dann mit dem Auto weiter, diesmal zurück in Richtung Osten. Über eine wellige Straße durch riesige Wälder mit den typischen Elch-Warnschildern am Rand erreichen wir als nächstes Tampere. Nach dem Einchecken im Hotel sammeln wir wieder bei einem Spaziergänge die ersten Eindrücke: Tampere gefällt uns wieder sehr gut. Die Stadt ist weit und hell, liegt zwischen den beiden Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi und hat durch die alten Klinkerstein-Fabriken mit riesigen Schornsteinen eine ganz besondere Ausstrahlung.

 

TAMPERE

  • Ist mit etwa 230.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes.
  • Wird wegen der vielseitigen Industrie „Manchester des Nordens“ genannt.
  • Liegt zwischen den beiden Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi.
  • War 2018 Austragungsort der (Leichtathletik) U20-WM

Es gibt viele Kirchen in Tampere, wobei wir den Dom leider an beiden Tagen nicht besichtigen können, weil jeweils eine private Veranstaltung ist. Nachdem Turku, Rauma und vor allem Pori von nicht allzu vielen Touristen besucht werden, finden wir hier schließlich doch noch Souvenirs, die wir mitbringen können. Zum Abendessen gibt es heute Nudeln mit Fisch – Energie für den morgigen ersten Wettkampf in Finnland.

 

Sa, 11. August: Tampere

Und so beginnen wir den Samstag auch ganz ungewohnt: weil der Parkrun erst um 9:30 Uhr gestartet wird, kommt zuerst das Frühstück und dann der Lauf. Beim Einlaufen stelle ich fest, dass der Start wegen eines Konzerts verlegt ist. Nachdem ich Svenja am Hotel abgeholt habe, gibt es somit keine unnötige Aufregung.

Auch die Mumins wohnen in Tampere

Wie auch schon in Frankfurt sind die Helfer sehr nett. Heute hilft es uns, dass die Parkruns international sind, denn vom Finnischen verstehen wir gar nichts. Während man bei vielen Sprachen noch ungefähr erraten kann, um was es geht, gelingt das beim Finnischen so gar nicht. Aber die Strecke ist auch nicht schwer zu finden: es geht immer am Wasser entlang, 2,5 km hin und dann wieder zurück. Zusätzlich gibt es außerdem noch einen Führungsradfahrer.

Und an den hänge ich mich gleich zu Beginn. Weil Pete, ein Brite, schnaufend mitzieht, laufen wir hart an, was man aber aufgrund der kurzen Strecke auch nicht allzu sehr bereuen muss. Nach etwa 2 km kann ich mich von meinem Begleiter lösen, werde wie er aber im ständig blasenden Wind auch deutlich langsamer. Die Schotterwege sind dabei auch nicht allzu dankbar. Am Ende stehen für mich 17’37 auf der Uhr, was zum vierten Sieg beim vierten Parkrun reicht. Und jetzt haben wir auch internationale Erfahrung.

Svenja ist ebenso zu schnell losgelaufen und lag bis km 4 vorne, musste sich dann aber noch abfangen lassen.

Im Anschluss kann man im Leichtathletik-Stadion, in dem vor kurzem erst die U20-WM ausgetragen wurde, duschen. Ich laufe mal hinein, um mir auch diese Bahn anzuschauen, für die Dusche bevorzugen wir aber die im nahe gelegenen Hotel. Auf dem Rückweg sprinte ich noch über eine Brücke, um zum einen die langsamere zweite Hälfte des Rennens aus den Beinen zu spülen als auch um noch ein weiteres Segment zu erobern. In den Listen der Parkrun-Segmente tauchen wir aufgrund des verlegten Starts leider nicht auf.

Abendstimmung in Tampere

Ab dem Mittag besuchen wir noch das Mumin-Museum – mittlerweile sind wir Fans 😉 – sowie das Amuri-Museum, dass sehr beeindruckend ist: hier steht noch das komplette Arbeiterviertel. Ein Haus bestand damals aus vier Räumen, die jeweils angemietet wurden, sowie einer gemeinsam Küche in der Mitte. In absoluten Hochzeiten lebten über 5000 Menschen im Viertel, sodass in einem Haus bis zu 80 Menschen hausten.

Zum Abschluss besuchen wir noch den See im Norden der Stadt und gehen ein letztes Mal essen, dann ist auch dieser Tag schon wieder vorbei.

 

So, 12. August: Tampere – Helsinki – Frankfurt

Unser letzter Morgenlauf in Finnland geht über Schotter- und Wurzelwege am See entlang. Ein letzter Blick über das Wasser, dann ist es schon wieder Zeit, die Koffer zu packen. Es war eine aufregende und sehr schöne Zeit mit vielen neuen Eindrücken, die ich nicht missen möchte. Wie schön ist es doch immer wieder, noch unentdeckte Flecken unserer Erde kennenzulernen und in andere Kulturen einzutauchen, die der unseren auf der einen Seite ähneln, auf der anderen Seite auch völlig verschieden sind.

Tschö Finnland – es war eine tolle Zeit!

Zum Abschluss unserer Reise durften wir dann nach unserer letzten Mercedes-Autofahrt noch den Helsinki-Flughafen absuchen, der Hinweis zu sämtlichen Autovermietern steht nämlich nicht sonderlich vorteilhaft nur sehr klein ganz unten auf einem einzigen Schild. Wer nach den Logos Ausschau hält, darf wie wir einige Runden drehen. Um es kurz zu machen: fahrt für die Rückgabe in Parkhaus 3b.

Auch Lufthansa enttäuschte dann noch etwas, unser Rückflug hatte schließlich fast zwei Stunden Verspätung. Dafür hatten wir unsere Koffer sehr schnell. Schon war damit unser Finnland-Abenteuer wieder vorbei. Bis zum nächsten Mal!