Hendrik Pfeiffer im Marathon-Interview

Von den Besten lernen: Marathon-Interview mit Hendrik Pfeiffer

Hendrik Pfeiffer ist nicht nur Olympionike, deutscher Marathonmeister und Silbermedaillengewinner des EM-Marathons in München. Mit seiner Frau Esther ist das Team Pfeiffer das vielleicht schnellste Laufpaar der Welt. Hendrik gilt als klare Stimme des Laufsports und harter Arbeiter. Als nächstes hat Hendrik den Chicago Marathon am 11. Oktober geplant. „Laufen hilft“ will von den Besten lernen und wissen, wie man einen schnellen Marathon bestmöglich vorbereitet.

Das Gespräch wurde am 11.09.2026 aufgezeichnet.

Markus: So, hi Henrik. Schön, dass es geklappt hat! Wie geht es dir?
Hendrik: Hi! Es ist ein Mix aus Müdigkeit und Vorfreude, würde ich jetzt gerade mal sagen. Also ich bin ja noch mittendrin, während Esther jetzt so langsam aus dieser ganz intensiven Trainingsphase vor Berlin rauskommt. Aber ich habe ja dann eben noch mal 2 Wochen später meinen Wettkampf in Chicago. Deswegen habe ich tatsächlich jetzt immer noch eine sehr intensive Phase und merke das natürlich auch. Das ist jetzt, glaube ich, meine sechste 210+ Kilometer-Woche in Folge. Deshalb bin ich gleichzeitig sehr zuversichtlich, weil ich jetzt auch gut durchgekommen bin und freue mich darüber. Und gleichzeitig ist es jetzt im letzten Drittel von der Vorbereitung die schwierigste Zeit, weil man da eben dann das Training trotzdem aufrechterhalten muss. In diesem Mix bin ich gerade mittendrin.

Markus: Und du bist jetzt gerade auf dem Weg nach Münster. Ist der Wecker-28 (2/3 Marathon) nur ein Trainingsrennen oder willst du da möglichst schnell laufen?
Hendrik: Das ist ein Rennen, in dem ich viel noch mal ausprobiere und teste, gerade auch meine Verpflegung. Also, ich gebe morgen, am Samstag, tatsächlich meine neue Nutrition-Partnerschaft bekannt und habe da sehr viel ausprobiert, gerade jetzt auch in letzter Zeit. Und in Münster ist es jetzt das erste Mal, dass ich mit einer Startnummer am Körper dann zumindest zwei Drittel vom Marathon simulieren kann. Allein dafür ist das schon wichtig, aber gleichzeitig eben auch mal schön, noch mal so einen kleinen Aufbauwettkampf zu haben, dass man eben nicht komplett ohne Vorwettkampf in den großen Marathon reingeht. Das mach ich auch mal ganz gerne. Also entweder pace ich oder ich laufe so einen Halbmarathon wie letztes Jahr vor Berlin.
Oder wie jetzt, wenn das gut passt, dann laufe ich in Münster eine Distanz ein bisschen länger als Halbmarathon. Das passt auch. Also im Grunde ist so ein Testlauf dafür da, um zu testen, wie es unter Wettkampfbelastung ist mit der Ernährung. Im Training ist man natürlich auch viel in dem Bereich unterwegs, aber es ist dann nochmal etwas anderes, wenn man die Flasche greifen muss während eines Rennens. Und da fühle ich mich dann sicherer, wenn ich einmal so etwas simuliert habe.

Markus: Ganz genau. Nochmal zurück zu Chicago: Diese 12 Wochen, von denen du immer sprichst, ist das dann quasi ein großer Block oder unterteilst du das dann durch Zwischenziele wie Münster und deinem Pacing-Job in Berlin?
Hendrik: 12 Wochen ist ja so eine klassische Vorbereitung. Die würde ich immer in 3 Phasen unterteilen. Die erste Phase ist dann immer extrem schwellenlastig mit Doppelschwellentraining, wo man ein Grundniveau soweit ausbaut, dass man dann in den nächsten Blöcken auch sinnvoll spezifischere Workouts machen kann.

Markus: Ok.
Hendrik: In der zweiten und dritten Phase werden die Einheiten also spezifisch weiterentwickelt. Also dann werden in Phase zwei aus den Doppelschwellentagen zunehmend längere Tempoeinheiten, also 6×3 km oder etwas ähnliches. Und dann in der letzten Phase, in der ich jetzt gerade bin, sind diese spezifischen Workouts dann sehr weit fortgeschritten und entwickelt. Am letzten Montag beispielsweise habe ich 3×9 km gemacht. Das war im Wettkampftempo und sogar einen Tick schneller und das könnte ich eben nicht im ersten Drittel. Dafür muss die Grundlage gebaut sein. Ganz lehrbuchmäßig könnte man jedes Drittel mit einem Wettkampf abschließen – wenn es denn passt.
Also im Fall von Chicago dieses Jahre mache ich das jetzt so, dass ich meinen Wettkampf jetzt im letzten Drittel mache und eben eine der langen Tempoeinheiten dementsprechend dann jetzt in Münster absolviere.
Vor dem Berlin Marathon letztes Jahr habe ich zum Beispiel das erste Drittel mit der City Night abgeschlossen, das zweite Drittel mit dem Antrim Coast Halbmarathon (Bestzeit in 61:28 min, Anm. der Redaktion) und im letzten Drittel hatte ich, glaube ich, noch die deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften drin gehabt.

Markus: Und habe ich das im Podcast (1 rennt 1 hinterher, Anm. der Redaktion) richtig verstanden, dass du wirklich je eine intensivere Einheit mit nur einem ruhigen Tag abwechselst oder gibt es da auch eine andere Aufteilung?
Hendrik: Ich bin nicht mehr immer in dieser Blockstruktur, die ich ja sonst eigentlich sehr akribisch gemacht habe. Da hatte ich immer einen Tempolauf, dann am nächsten Tag einen Long Run und dannein oder zwei Ruhetage und dann den nächsten Block. Ich habe jetzt in der aktuellen Vorbereitung noch mal einen minimal anderen Ansatz gewählt, dass ich tendenziell noch mal eine Tempoeinheit mehr unterbringe, dafür aber den DL2, also den moderaten Dauerlauf, der so zwischen Schwelle und normalen Dauerlauftempo liegt, den habe ich dafür gestrichen. Somit habe ich aktuell oft eine Tempobelastung, dann einen ruhigen Tag, dann wieder Tempo, dann den Longrun, dann einen ruhigen Tag, dann wieder Tempo und dann ist halt die Frage, ob man den Longrun dann nochmal draufsetzt oder nicht. Das hängt immer davon ab, wie anstrengend die Einheit war. Also nach einer 3×9 brauche ich am Tag danach keinen Longrun mehr zu machen, aber nach einer 3×6 habe ich zum Beispiel nochmal einen gemacht.

Hendrik Pfeiffer beim Boston Marathon neben Charles Hicks. Im Hintergrund läuft Richard Ringer.

Markus: Das hört sich ja, wie auch im Podcast, immer ziemlich, ziemlich krass an. Was motiviert dich denn dazu? Also wenn du wie jetzt zum Beispiel sagst, dass du schon ziemlich am Limit bist, wie schaffst du es, dich dann trotzdem noch abends spät aufs Laufband zu stellen?
Hendrik: Weil ich weiß, dass das nötig ist, wenn ich meine Ziele erreichen will. Ich krieg natürlich nicht nur einen internen, sondern auch noch den externen Druck: Mit diesen Normen, die dann doch eine große Rolle spielen. Das heißt, ich weiß, ich muss mich halt in den 12 Wochen in eine Form bringen, mit der ich unter 2h07 laufen kann, weil ich sonst einfach rausfliege.
Gleichzeitig will ich in Chicago natürlich auch gut performen, um dort mitzuhalten. Und ich habe mir auch ein paar Leute mal angeschaut. Also speziell in dieser Vorbereitung habe ich mich so ein bisschen von Charles Hicks inspirieren lassen, der in Boston sogar noch vor Richard (Ringer, Anmerkung der Redaktion) war. Der hat auch 6 Wochen, glaube ich, konstant 205 bis 210 Kilometer gemacht. Und für mich ist es jetzt gerade meine sechste Woche, die ich im Schnitt um die 215 bis 220 Kilometer abschließe. Das habe ich so konstant bisher auch noch nicht umgesetzt. Auch dadurch habe ich jetzt nochmal ein bisschen mehr Qualität gemacht, auch wenn der Preis dafür ist, dass ich oft sehr spät noch auf dem Band stehe, weil ich den Tag einfach brauche, um mich irgendwie zu erholen. Vom Gefühl her brauche ich eigentlich jeden Tag 25 bis 26 Stunden und dadurch verschiebt sich alles immer mehr in Richtung Nacht, je länger die Vorbereitung dauert. Aber ich würde das in dem Fall gar nicht unbedingt als Problem sehen, sondern einfach als eine Begleiterscheinung, wenn man auf dem Level trainiert wie ich jetzt. Und von meinem Biorhythmus passt das bei mir auch, selbst wenn ich oft erst nach Mitternacht vom Band runterkomme.

Markus: Aber das heißt, dass du dein Training mittlerweile komplett selbst planst?
Hendrik: Ja, das mache ich jetzt alles selbst. Und Esther auch. Also Esther und ich, wir sprechen manchmal noch ein bisschen drüber. Aber was wir trainieren müssen, das wissen wir eigentlich. Also wenn wir irgendwo Unterstützung brauchen, dann ist das vor allem, dass mal einfach jemand dabei ist, wenn der Longrun ansteht und man eh schon müde ist, dass einem da so ein bisschen was abgenommen wird. Aber auch das ist nicht so einfach. Man muss ja erst mal jemanden im Umfeld haben, der die Flexibilität mitbringt und die Zeit hat und dann eben auch so ein bisschen Ahnung vom Sport hat, dass er oder sie eine Radbegleitung dann so gestaltet, dass sie am Ende nicht eher stört.

Markus: Seit ich mein eigener Trainer bin, war mein größtes Problem immer, dass wenn ich mir zum Beispiel vorgenommen habe, 10 mal 1000 zu machen und dann nicht so gut drauf war, dass ich mir dachte, 8 mal 1000 reicht ja beispielsweise auch. Aber das hast du nicht? Wenn du dir 3×9 Kilometer vornimmst, dann ziehst du es auch durch?
Hendrik: Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, ist auf dem Band viel höher als draußen. Also bei mir hat sich meine Abbruchquote an Workouts extrem minimiert, seit ich Laufbandtraining so akribisch einsetze. Und das liegt vielleicht daran, dass man einfach auf dem Band bleiben muss, während man draußen dann von alleine schon wieder irgendwie langsamer wird und dann von den Zeiten abweicht und dann eher so eine Einheit abbricht. Draußen war es vielleicht ein Viertel der Einheiten, die nicht geklappt haben, wie ich es mir vorgestellt habe; auf dem Band ist es vielleicht mal eine von 15.

Markus: Das ist wirklich konsequent. Das hat man auch im Podcast gut gehört. Du hast jetzt dein sogenanntes Geisterhaus eingerichtet. Bist du dann wirklich auch komplett alleine oder versucht ihr möglichst oft auch zu zweit zu trainieren?
Hendrik: Am liebsten machen wir das natürlich zusammen. Wir laufen uns ja auch immer gemeinsam ein. Es ist immer schön, wenn wir dann auch die Tempoläufe zeitgleich haben. Ich würde sagen, dass das eigentlich auch der Regelfall ist. Und dann funktioniert das auch sehr gut.

Also, wenn wir uns dann einlaufen, dann sagen wir uns, wenn wir jetzt hier draußen auf der Bahn stehen würden, wäre es härter. Auf dem Band machen wir die Einheiten halt trotzdem und dadurch kriegen wir einfach pro Woche so viel mehr Qualität unter.

Markus: Und wenn du jetzt zum Beispiel beim Einlaufen merken würdest, dass die Tagesform so gar nicht passt, startest du dann trotzdem oder verschiebst du so ein Training dann eventuell auch mal um einen Tag nach hinten?
Hendrik: Normalerweise mache ich das Training. Aber es gibt schon Tage, wo ich dann auch nachjustiere und mal sage, okay, ich brauche noch mal einen Ruhetag mehr. Also gerade nach der 3×8 ging’s mir deutlich schlechter noch als nach der 3×9. Da hab ich gesagt, ich brauche weiteren Easy Day und da hab ich dann eben auch extra mal noch einen zusätzlichen ruhigen Tag gemacht, bis dann die nächsten Tempoläufe kamen. Also da sollte man schon die Kraft haben, das auch zu tun. Esther hat zum Beispiel auch bewusst nicht immer jedes Programm weiterentwickelt, sondern ist dann auch mal einen Schritt zurückgegangen. Von 3×8 zurück auf 3×6 – einfach als stabilisierendes Element, weil man nicht immer jedes Workout wieder toppen kann, sonst kommt man irgendwann in Bedrängnis.

Markus: Und bei diesen härteren Einheiten, da nutzt du auch schon dieselbe Wettkampfverpflegung, wie du es jetzt in Münster testest oder nimmst du im Training mehr oder weniger Kohlenhydrate?
Hendrik: Bei den ganz Langen versuche ich das dann schon zu simulieren, auch bei den Longruns, dass ich alle 5 Kilometer etwas aufnehme. Es macht Sinn, dass man das mittrainiert, dass man im Wettkampf keine böse Überraschung erlebt.

Hendrik Pfeiffer „läuft einfach nur“.

Markus: Ja, klar. Und jetzt ganz unabhängig davon: Du bist ja bekannt dafür, dass du viel läufst, aber machst du auch Krafttraining oder Alternativtraining?
Hendrik: Aktuell gar nicht. Also, das Alternativtraining hat mir ja gute Dienste geleistet, als ich den Ermüdungsbruch hatte.

Markus: Allerdings, du bist wieder top in Form.
Hendrik: Da habe ich die drei Wochen ja komplett durchgezogen, auch im Wasser. Und ich glaube, ich habe mir da auch die Grundlage für geschaffen, dass ich jetzt eben innerhalb dieser zwölf Wochen überhaupt eine realistische Chance habe, wieder auf so ein 2h07- oder drunter-Niveau zu kommen. Da habe ich das dann schon gemacht, aber jetzt im normalen Alltag spielt das beides gar keine Rolle mehr. Ich mache auch gar kein Krafttraining, sondern ich laufe einfach nur.

Markus: Und du läufst dann auch nur flach? Weil Bergläufe zum Beispiel würden ja auch ein bisschen Krafttraining sein.
Hendrik: Leider habe ich mir die Verletzung bei Bergläufen zugezogen. Deswegen hab ich das jetzt erstmal komplett weggelassen.

Markus: Oh, ok!
Hendrik: Wenn ich kann, laufe ich schon auch mal profiliert. Aber auch das spielt jetzt gerade keine echte Rolle. Am Ende geht es darum, die Kilometer gemacht zu haben und gerade auch jetzt im Marathonbereich viel bewältigt zu haben.

Markus: Ok, und das große Ziel ist ja jetzt Chicago und damit hättest du quasi alle Major Marathons für dich abgehakt. War das auch ein besonderes Ziel für dich?
Hendrik: Zumindest die 6 (jüngst kamen noch Sidney und der Sanlam Cape Town Marathon zu den World Marathon Majors hinzu, Anm. der Redaktion). Das war schon eines der Karriereziele, die großen Sechs als Profi erlebt zu haben. Und ich habe ja ganz gute Karten dann damit auch in die Top 5 aller Zeiten zu kommen, wenn man die Durchschnittszeit errechnet.

Markus: Da gibt es wirklich schon fünf, die schneller waren als du?
Hendrik: Wenn ich jetzt in Chicago einen guten Lauf erwische, kann ich Platz vier schaffen. Der schnellste war natürlich Kipchoge, dann kommt Geoffrey Kamworor, dann noch ein Kenianer (Emmanuel Mutai, Anm. der Redaktion) und dann Kawauchi.

Markus: Stimmt, den hatte ich ja gar nicht auf dem Schirm!
Hendrik: Kawauchi würde ich mir gerne holen, ja.

Markus: Jetzt hast du ja gesagt, dass du jetzt für Chicago auch noch mal einiges am Training umgestellt hast. Wie würdest du das denn rückblickend bewerten? Also ich würde ja Houston als deinen Durchbruch bezeichnen (PB von 2h10 auf 2h07’14, Anm. der Redaktion). Wie hast du rückblickend auf Houston trainiert und was hast du daraus gelernt für die nächsten Schritte?
Hendrik: Für Houston war die erste Vorbereitung, für die ich mich stark aufs Laufband verlegt habe. Dadurch wurde ich unabhängiger, habe viel mehr Zeit gespart, kürzere Wege gehabt. Also das war das erste Mal, dass ich so richtig darauf gekommen bin. Sehr ärgerlich eigentlich, weil wenn ich das halt schon früher irgendwie gehabt hätte, dann wäre ich wahrscheinlich auch schon deutlich früher in noch bessere Zeiten gelaufen.
Und ich war ja sogar mal auf dem Weg, Laufbandtraining für mich zu entdecken. Aber damals in Wattenscheid beim Olympiastützpunkt war das Laufband dann auch recht schnell kaputt und es gab dann über Jahre hinweg keinen adäquaten Ersatz und erst als ich in Wattenscheid wieder weg war, gab es dann ein wirklich gutes Laufband und das hätte schon so ein Weg sein können, weil ich damals schon das Gefühl hatte, boah, das funktioniert für mich sehr gut.
Aber dadurch, dass dann eben recht schnell auch wieder defekt war und es auch nicht möglich war, adäquaten Ersatz zu beschaffen, kam ich dann da wieder vom Kurs ab. Wattenscheid warwahrscheinlich der einzige Olympiastützpunkt bundesweit, der kein ordentliches Laufband hatte. Also rückblickend ist das eigentlich total ärgerlich, weil ich da selber schon mal auf diesem Weg war.
Und dann habe ich mir irgendwann selber ein Laufband gekauft, weil mich das so genervt hat. Aber auch das konnte ich dann in der Wohnung in Gelsenkirchen, wo ich gewohnt habe, nicht verwenden, weil es für die Nachbarn viel zu laut gewesen wäre. Somit habe ich das erst in Hannover entdeckt.

Markus: Wirklich schade. Im Grunde könnte doch auch eigentlich jede und jeder seine Schwelle mit Laktat bestimmen und dann solche Einheiten auf einem Laufband machen. Würdest du es auch einem Ottonormalmarathonläufer empfehlen?
Hendrik: Ja, das ist immer auch das Schöne bei unserem Sport, dass das, was im Profibereich funktioniert, heruntergebrochen, abgespeckt, eben genauso beim Amateur oder Anfänger funktioniert. Die meisten sind leider auf ein Fitnessstudio angewiesen, weil nicht jeder die Möglichkeit hat, sich ein Laufband zu leisten oder auch zu Hause hinzustellen. Aber auch bei den von uns gecoachten Athleten, sehen wir, dass sie sehr gute Erfahrungen damit machen. Man braucht halt immer vier bis fünf Einheiten, bis es sich ins Positive wendet. Am Anfang denkt man, Laufbandtraining ist sehr unangenehm. Aber jeder, den ich kenne, der wie ich vier, fünf Mal hintereinander da drauf war, fängt an, die Vorteile zu schätzen. Einen easy Dauerlauf auf dem Laufband finde ich auch sehr schwierig, aber die ganz schnellen Sachen, da hilft ein Laufband extrem.

Markus: Das hat sich aber im Profibereich noch ganz durchgesetzt oder kennst du noch andere, die das genauso machen?
Hendrik: Nicht so stark wie wir. Aber für die Ingebrigstens funktioniert auch viel Schwelle auf dem Laufband. Oder auch die On-Trainingsgruppe in St. Moritz macht ihre Schwelleneinheiten vor allem auf dem Laufband.
Also, das wird schon gemacht, aber wir sind wahrscheinlich jetzt gerade die einzigen, die ausschließlich Tempoläufe auf dem Band zu machen. Aber wir haben natürlich auch ein Band, was das hergibt. Normalerweise kann man ja keine 400er-Intervalle auf dem Band machen, weil das gar nicht so schnell umschaltet, aber das ist die Stärke von unserem Band.

Markus: Und weil du ja gerade aus dem Ermüdungsbruch kommst, denkst du, dass Laufbandtraining eher Verletzungen vermeidet oder dass es anfällig dafür macht?
Hendrik: Es vermeidet ganz klar Verletzungen, weil es nicht so durchschlägt wie Asphalt. Und auch gerade wenn widrige Bedingungen sind, dann hat man das auf dem Band nicht. Wenn ich im Winter bei Eisregen den Tempolauf auf der Bahn gemacht habe, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Waden völlig verhärtet sind, viel höher. Auf dem Band kann man seine Bedingungen herstellen. Also tendenziell ermöglicht das Band mehr Qualität, mehr schnelle Kilometer und im besten Fall sogar eine extra-Tempoeinheit mehr in der Woche.

Markus: Und zusätzlich auch noch die Verfügbarkeit von den Kohlenhydraten, weil Flaschen viel leichter zu greifen sind.
Hendrik: Also für mich überwiegen die Vorteile in jeder Hinsicht.

Markus: Also ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es dann Chicago für dich läuft und drücke alle Daumen.
Hendrik: Danke.

Markus: Hast du schon Ziele für den nächsten Marathon nach Chicago?
Hendrik: Ja, ich habe auf jeden Fall einen Startplatz in Valencia.

Markus: Oh, sehr gut!
Hendrik: Ich muss nach Chicago mal schauen, wie es mir danach geht, aber das Olympiafenster ist dann ja schon offen. Und dann hätte ich da natürlich das beste Rennen und die beste Strecke, aber natürlich ein bisschen wenig Zeit für die Vorbereitung. Aber letztes Jahr hat das mit Berlin und Valencia auch gut geklappt und jetzt wäre der zeitliche Unterschied eine Woche. Ich glaube, es ist eine Woche weniger.

Markus: OK, das heißt, die nächsten Olympischen Spiele sind wieder ein großes Ziel?
Hendrik: Ja, auf jeden Fall! Ich habe natürlich jetzt schon eine sehr angespannte Konkurrenzsituation. Deswegen wird es wahrscheinlich nicht mehr reichen, die Norm zu rennen. Also muss ich halt noch mal weitere Schritte gehen, aber ich will auf jeden Fall da meinen Hut in den Ring werfen, es probieren.
Und ich sag mal so, wenn Esther und ich es beide nach L.A. schaffen, das wäre natürlich ein ultimatives Ziel für uns.

Esther & Hendrik Pfeiffer – das Team Pfeiffer – im Ziel des Köln-Halbmarathons

Markus: War Sapporo eine durchweg positive Erfahrung oder wie war das damals für dich?
Hendrik: Wenn man ehrlich ist, war die Erfahrung selbst natürlich Mist. Durch Corona ist ja nicht mehr viel vom Olympia-Feeling übriggeblieben. Dadurch, dass wir dann eh ausgelagert waren, hatten ja wir überhaupt keinen Kontakt. Man war halt da und das war auch schön und besonders, aber das war es im Grunde.Es war eigentlich teilweise auch surreal, weil man sich nicht mal mehr frei bewegen durfte. Also wenn wir beispielsweise im Training einen Dauerlauf gemacht haben, dann kamen da extra 2 Fahrzeuge von der Stadt mit: zwei Elektroautos, und nur zwischen diesen beiden Autos durften wir uns aufhalten. Zusätzlich hatten wir noch drei Aufpasser auf dem Fahrrad dabei und dann durfte man sich nur in diesem Konvoi bewegen, bevor man wieder ins Hotel kommt. Das Olympische Dorf haben wir nicht mal gesehen. Und weil wir ganz am Ende der Spiel dran waren, waren wir auch nicht bei der Abschlussfeier. Als die stattfand, saßen wir in Tokio am Flughafen.
Dementsprechend war es zwar schön, da gewesen zu sein, aber eine Olympia-Erfahrung habe ich selber jetzt eigentlich auch noch nicht so richtig erlebt. Allein deshalb wäre das schon spannend, auch noch mal ein echtes Olympia zu erleben, was nicht so sehr einer Pandemie leidet.

Markus: Das stimmt natürlich. Wenn du es so erzählst, dann brauchst du auf jeden Fall noch L.A.
Hendrik: Das wäre schön, ja.

Markus: Ok, dann danke ich dir, Hendrik. Hast du noch einen abschließenden Tipp? Vielleicht nicht nur unbedingt zum Marathonlaufen, sondern zum Laufen allgemein?
Hendrik: Gerne.
Ja, ich würde mal sagen, dass man die Streckenvielfalt aufrechterhalten sollte. Also sich auch mal bei Google Maps umschaut, was es in der Nähe gibt. Dass man nicht immer in diesen monotonen Bereich kommt, dass man irgendwie nach zwei Jahren seine eigene Hausstrecke nicht mehr sehen kann. Das ist immer so eine Gefahr, wenn man viel läuft.
Uns hat das zwar bis jetzt nicht gedroht, weil wir zuletzt relativ oft umgezogen sind, aber es gab schon immer mal Situationen, wo wir gesagt haben, dass wir diese Strecke einfach nicht mehr sehen können und keinen Bock mehr darauf haben. Deswegen sollte man sich da immer so ein bisschen frisch halten, dass man dann vielleicht auch mal einen Longman irgendwo hin verlegt, wo man noch nicht war. Monotonie halte ich in einem Marathontraining für gefährlich.

Markus: Ich habe das früher so gemacht, dass ich einfach irgendwo hingelaufen bin, wo ich die Wege noch nicht kannte und dann irgendwie zurückfinden musste. Das wurde dann auch immer ein schöner und abwechslungsreicher Longrun und jetzt kenne ich die Wälder hier sehr gut.
Hendrik: Ja, auch gut.

Markus: Sehr gut, Hendrik, dann alles Gute für Sonntag und dann natürlich für den großen Chicago Marathon. Wir blicken gespannt drauf und drücken vorher natürlich auch Esther in Berlin die Daumen. Alles Gute!
Hendrik: Mega. Vielen Dank. Ciao, ciao.

Fotos: Hendrik Pfeiffer

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