Bad Liebenzell DM 10 km

Keine Ausreden in Bad Liebenzell: DM 10 km

Ein Auge auf die deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km in Bad Liebenzell hatte ich schon lange geworfen. Zunächst als Option in der Marathonvorbereitung, dann immer konkreter, als klar wurde, wie gut vor allem unsere Mädels dieses Jahr unterwegs sind und wie lohnenswert deshalb ein Mannschaftsausflug werden könnte.

Eine Männermannschaft wiederum fand sich nicht. Schade, aber die Gelegenheit für eine gute 10 km Zeit wollte ich mir dennoch nicht entgehen lassen. Richtig schnelle Rennen über diese Distanz sind eher selten, für mich blieb in den letzten Jahren meist nur Jügesheim.

Natürlich laufe ich sehr gerne in Jügesheim und bin dort nicht nur meine Bestzeit, sondern noch ein weiteres Mal unter 33 Minuten geblieben – die vermessene Strecke der Winterlaufserie ist und bleibt ein gutes Pflaster. Aber, wie der Name schon sagt, sie findet im Winter statt. Theoretisch sollte die Form im Spätsommer besser sein. Außerdem sollte eine reine Asphaltstrecke noch einen Hauch schneller als die Schotterwege im heimatlichen Wald sein.

Dass die Strecke im Nagoldtal, obwohl außenherum recht hügelig, flach und schnell ist, zeigten die Ergebnisse der letzten Jahre. Gerade in Bezug auf deutsche Meisterschaften ist Bad Liebenzell nämlich kein unbeschriebenes Blatt. Wie schon 2007 wurden hier im letzten Jahr die deutschen Halbmarathonmeisterschaften ausgetragen, dazu 2004 und 2015 die DM über 10 km. Insbesondere von 2007 erzählt mein Trainings- und Vereinskamerad Manu sehr gerne, als er eine persönliche Bestzeit lief, die bis zu seiner absoluten Hochform im Jahr 2013 Bestand hatte.

Heute würde es auf einem vier Mal zu durchlaufenden Rundkurs rechts und links der Nagold zur Sache gehen, mit einer breiten, über einen Kilometer langen Startgerade, auf der sich alle würden sortieren können und durchweg gut asphaltierte Straßen ohne eckige Kurven. Zunächst um 11:15 Uhr das Männerrennen mit (von uns, Spiridon) Jens und mir, dann, eine Stunde später, die Frauen und Senioren mit Hanna und Kathi.

 

Der Rennsonntag

So machten wir uns also um 7:15 Uhr mit dem Vereinsbus auf in Richtung der Bade- und Kurstadt im nördlichen Schwarzwald. Die Form war vielversprechend und die Stimmung gut, wenig Verkehr am Sonntagmorgen trug außerdem dazu bei, dass wir schnell und frühzeitig am Ort des Wettkampfgeschehens ankamen.

Wie ich bereits aus Erzählungen wusste, kann man sich während der Anfahrt bei all den Hügeln und Bergen kaum vorstellen, dass es einen Flecken gibt, auf dem ein schnelles und flaches Rennen ausgetragen werden kann. Es kann aber! Der Stadtkern, um den das Rennen in einem Viereck herumführt, ist fast bretteben. Lediglich eine kleine Welle gibt es auf Höhe des Starts: taktisch klug gelegt, so ging es erstmal – wenn auch nur einen Hauch – bergab. Sechs Höhenmeter waren pro Runde zu „erklimmen“.

Nachdem die Startunterlagen abgeholt und ein erster Überblick gewonnen war, ging es für Jens und mich auch schon ans Aufwärmen. Eigentlich hatte ich mit Regen gerechnet, wir hatten aber Glück und es schien die Sonne. Dazu nur einen Hauch von Wind. In Kombination mit der Strecke gab es heute also keine Ausreden: die Zeit von heute ist absolut aussagekräftig!

Das Schöne und Besondere an deutschen Meisterschaften ist die Atmosphäre, die dadurch entsteht, dass die nationale Elite zum Greifen nah ist. Arne Gabius, Philipp Pflieger, Amanal Petros, Florian Orth, Mocki, Anna Hahner, Franzi Reng und so viele mehr waren zum Greifen nah um uns herum! Es liegt einfach die pure Geschwindigkeit in der Luft – und die galt es zu nutzen! Dann schauen wir mal, was die Beine heute hergeben:

 

Das Rennen

Schon 10 Minuten vor dem Start schrillte eine Trillerpfeife: alle Starter sollen sich bitte hinter dem Start einfinden. Trotz Meisterschaft war die Atmosphäre sehr entspannt: hinter dem Flatterband ein lockeres Geplaudere und viele Lücken. Es drängelte niemand und so verschlug es mich irgendwie in die zweite Startreihe.

Mit dem Schuss schießen dann alle los. Um die erste Linkskurve, dann durch den Stadtkern von Bad Liebenzell, dann um die zweite Linkskurve. Obwohl der erste Kilometer mit ca. 3’10 weggeht, werde ich von gefühlt 100 Läufern überholt. Das wird bis km 4 so weitergehen! Aber ich versuche mich auf mich selbst zu konzentrieren, und das klappt gut. Der Schritt ist locker, das Tempo pendelt sich um 3’20/km ein.

Bei km 4 dann fühle ich mich stark. Im Hinterkopf ist sogar eine neue Bestzeit. Jetzt gehe ich auch erstmals an anderen Läufern vorbei, die zu schnell angegangen sind – alleine muss man hier nie laufen, überall wimmeln schnelle Beine! Die Streckenhälfte ist nach 16’37 erreicht.

Leider währt mein Hoch nicht allzu lange. Schon ab km 6 – dann, wenn man sich bei 10ern immer die zweite Luft wünscht, wie es einem aber nur an absoluten Sahnetagen vergönnt ist – wird es dann hart. Aber ich ziehe durch, auch wenn die zweite Hälfte langsamer werden wird. Suche mir Haxen, an denen ich mich festbeißen kann. Und wenn die mir weglaufen oder ab und an sogar zu langsam werden, finde ich neue.

Es kommt die letzte Runde, dann irgendwann der letzte Kilometer. Jetzt nochmal anziehen, immerhin sind es deutsche Meisterschaften, da zählt irgendwie auch die Platzierung. Ein letztes Mal über die Welle und dann das, was noch übrig ist, in den Zielspurt. Am Ende stehen 33’41 und Platz 117.

 

 

Die Rückfahrt

Klar – ein Sahnetag war es nicht. Aber 33’41 gehen im Hinblick auf den Frankfurt Marathon voll in Ordnung! Die ansteigende Form zeigte sich auch darin, dass es kein Ausschlurfen wurde, sondern ein Austraben 😉 Auch hier wieder mit netter Gesellschaft, diesmal aus Erfurt. Strava verbindet!

Dann konnten wir noch ein spannendes Frauenrennen verfolgen, bevor unser anschließendes Spiridon-Picknick von zwei Regenschauern unterbrochen wurde. Und dann ging es im Mannschaftsbus wieder zurück in die Heimat. Da sage mal einer, Laufen sei Individualsport – es war ein klasse Teamausflug nach Bad Liebenzell!

 

Der Überblick
Datum: So, 03. September 2017
Ort: Bad Liebenzell, Deutschland
Wettkampf: Deutsche Meisterschaften
Distanz: 10 km
Zeit: 33:41 min
Platz: 117.
Crew: Svenja, Moritz, Hanna, Kathi, Iris, Dirk und Jens
Schuhe: adidas adizero adios Boost 3
Ernährung: –
Fotos: Svenja

 

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