Eine neue Studie über das Laufen mit und ohne Babyjogger

Geht mit Babyjogger laufen!

Ja, ihr habt richtig gehört: Es empfiehlt sich, mit einem Babyjogger, also einem Lauf-Kinderwagen laufen zu gehen. Zumindest laut der jüngsten Studie von Houn G. Kim, Andrew Friesen und Allison R. Altman-Singles (2026). Um herauszufinden, ob Eltern, die mit einem Babyjogger laufen, ein anderes Verletzungsrisiko haben als Eltern, die nach der Geburt ihrer Kinder weiterhin laufen, aber keinen Kinderwagen verwenden, haben diese drei nämlich eine Studie durchgeführt.

Die Hypothese: Das Schieben eines Kinderwagens verändert die Belastung beim Laufen und reduziert möglicherweise die Stoßkräfte, sodass Überlastungsverletzungen seltener auftreten könnten.

Das Studiendesign

Babyjogger im Einsatz
Babyjogger im Einsatz

Untersucht wurde die Hypothese durch eine retrospektive Querschnittsstudie mit einer Online-Befragung. Die Teilnehmenden wurden über Laufvereine und soziale Medien rekrutiert. Die Voraussetzungen waren, dass die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer zwischen 18 und 55 Jahre alt sein mussten, Kinder gehabt haben, die irgendwann zwischen 0 und 3 Jahren alt waren, vor der Elternschaft mindestens 5 Meilen pro Woche gelaufen sind und nach der Geburt wieder mit dem Laufen begonnen haben.

Für die Studie qualifizierten sich schließlich 249 Läuferinnen und Läufer, die in zwei Gruppen unterteilt wurden: 196 mit Babyjogger und 53 in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse

1. Eltern mit Kinderwagen verletzten sich seltener

In der Babyjogger-Gruppe zogen sich 19 % eine Laufverletzung zu, in der Kontrollgruppe 30 %. Umgekehrt formuliert bedeutet das, dass 81 % der Kinderwagenläufer verletzungsfrei blieben, während das auf nur 70 % der Kontrollgruppe zutraf.

Wenn man die Verletzungsrate auf die Laufleistung der Gruppen bezieht, wird es sogar noch deutlicher: Bei den Laufenden mit Kinderwagen kam es zu 0,19 Verletzungen pro 1000 Meilen (1609 km), in der Kontrollgruppe zu 0,42 Verletzungen pro 1000 Meilen. Das entspricht etwa einer 55 % niedrigeren Verletzungsrate. Das wird in der Studie als Hinweis darauf interpretiert, dass Kinderwagenlaufen möglicherweise einen gewissen Schutzeffekt hat.

2. Kinderwagenläufer*innen liefen im ersten Jahr mehr

Besonders im Zeitraum, als das Kind 6 bis 12 Monate alt war, liefen Eltern mit Kinderwagen etwa 34 % mehr Kilometer als die Kontrollgruppe – vermutlich weil Kinder ab etwa sechs Monaten sicher im Jogging-Kinderwagen sitzen können, die Eltern keinen Babysitter organisieren müssen und das Lauftraining dadurch leichter in den Alltag integriert werden kann.

3. Die häufigste Verletzung war Plantarfasziitis

In beiden Gruppen betraf die häufigste Verletzung die Fußsohle: Eine Plantarfasziitis machte ca. 15–16 % aller gemeldeten Verletzungen aus.

Die Autoren vermuten als mögliche Ursachen die hormonellen Veränderungen nach der Schwangerschaft, die Gewichtszunahme, die Veränderungen der Fußmechanik sowie das unregelmäßige Trainingsmuster in der frühen Elternschaft.

4. Verletzungsmuster waren ähnlich

Auch ansonsten unterschied sich die Verteilung der Verletzungen insgesamt kaum. Häufig betroffen waren die Füße, die Hüfte, die Sprunggelenke, die Knie sowie das Schienbein. Kinderwagenlaufen scheint also nicht zu völlig anderen Verletzungsmustern zu führen.

Mechanistische Erklärung der Autoren

Babyjogger

Die Autoren verweisen auf frühere biomechanische Untersuchungen, die belegen, dass beim Schieben eines Kinderwagens:

  • sich die Schrittlänge verkürzt,
  • das Tempo etwas niedriger ist,
  • Teile der Stoßbelastung über den Kinderwagen abgeleitet werden und
  • die vertikale Aufprallkraft reduziert wird.

Da hohe Stoßbelastungen als wichtiger Risikofaktor für Überlastungsverletzungen gelten, könnte das die geringeren Verletzungsraten erklären.

Kritische Bewertung

Leider hat die Studie trotz der interessanten Ergebnisse einige erhebliche Schwächen.

Die größte Einschränkung ist die fehlende Kausalität. Weil es sich um eine Querschnittsstudie mit retrospektischer Befragung handelt, lässt sich nicht zeigen, dass der Kinderwagen die Ursache der niedrigeren Verletzungsrate war. Es könnte auch andere Ursachen geben, z. B. dass verletzungsanfällige Läufer das Kinderwagenlaufen meiden. Die Studie zeigt nur eine Korrelation.

Weiterhin sollten sich die Teilnehmenden an Laufumfänge und Verletzungen aus einem Zeitraum von bis zu 20 Jahren erinnern. Das ist kaum zuverlässig möglich, insbesondere, wenn es um die genauen Umfänge und Zeitpunkte von Verletzungen geht. Eine prospektive Studie wäre wesentlich belastbarer gewesen.

Auch die Aufteilung der Geschlechter führt zu Verzerrung, schließlich bestand die Babyjogger-Gruppe zu etwa 90 % aus Frauen, die Kontrollgruppe zu etwa 73 %. Die Verletzungsmuster können zwischen Männern und Frauen unterschiedlich sein; außerdem bringen insbesondere die hormonellen Veränderungen durch die Schwangerschaft und das Wochenbett zusätzliche biologische Faktoren ein. Am besten hätte man nach Geschlecht getrennt analysiert.

Darüber hinaus sind die Gruppengrößen sehr unterschiedlich: 200 Kinderwagenlaufende stehen nur 55 Läuferinnen und Läufern in der Kontrollgruppe gegenüber. Dadurch sinkt die statistische Aussagekraft erheblich. Interessanterweise berichten die Autoren selbst, dass einige Vergleiche statistisch schwach waren.

Weitere Einflussgrößen, die bekannterweise Verletzungen beeinflussen, wurden nicht systematisch erfasst. Auch beispielsweise durch die Trainingsintensität, das Lauftempo, den Laufuntergrund, das Schuhwerk, Krafttraining, den Schlaf, die Körpergewichtsentwicklung und frühere Verletzungen ließen sich die Unterschiede erklären. Überhaupt wurden in der Studie Selbstberichte über die Verletzungen akzeptiert. Dem liegen nicht unbedingt eine ärztliche Diagnose zugrunde. Es könnten also kurzfristige Fußschmerzen als Plantarfasziitis eingestuft worden sein.

Eine deutlich stärkere Evidenz ließe sich erzielen, wenn man Eltern ab der Geburt begleiten würde. Die Daten könnten dann via GPS aufgezeichnet und die Verletzungen medizinisch bestätigt werden. Berücksichtigt werden müsste, dass die beiden Gruppen bzgl. Alter, Geschlecht, Leistungsniveau und Verletzungshistorie vergleichbar sind.

Fazit

Die Studie liefert eine interessante Hypothese, dass Eltern, die mit einem Babyjogger laufen, möglicherweise weniger Überlastungsverletzungen pro Laufkilometer erleiden und im ersten Lebensjahr des Kindes sogar mehr laufen können als andere Eltern. Die Aussagekraft wird jedoch durch die retrospektische Befragung, die ungleichen Gruppen, den hohen Frauenanteil und die fehlende Kontrolle wichtiger Einflussfaktoren deutlich eingeschränkt.

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