Über die Frühjahrsmarathons nach Rio

Rio_Flügel_Reinwand_MemmertMir persönlich ist es lieber, wenn Marathonstarts nicht gar so früh sind. Nicht wegen des Rennens an sich, einen Marathon läuft man ja nicht allzu oft. Sondern wegen des Zuschauens. Ich schaue mir die Rennen nämlich sehr gerne im Fernsehen an, Marathons sind spannend! Insbesondere wenn es wie jetzt um so viel geht: die Olympianorm für Rio de Janeiro. Sicher dabei ist nämlich kaum jemand.

Sowohl der Wien- wie auch der Hannover-Marathon starten beispielsweise morgen schon um neun. Da ist es schwierig, vorher schon den eigenen langen Lauf zu absolvieren um anschließend gemütlich den Fernseher einzuschalten. Beides miteinander zu verbinden kommt aber auch nicht infrage: weder laufe ich auf dem Laufband und schaue währenddessen zu, noch nehme ich beispielsweise das Handy mit, um den Live-Ticker zu verfolgen. Der lange Lauf gehört mir, da will ich die Natur genießen. Dann verpasse ich schon lieber den Start, auch wenn der immer tolle Bilder liefert: wie das große Feld losläuft, alle voller Vorfreude und Erwartungen. Mit frenetisch anfeuernden Zuschauern, all den Schildern. Und überall wird gelächelt, da freut man sich mit.

In Hannover sind Anna und Lisa Hahner am Start. Lisa ist in Frankfurt schon stark gelaufen und daher relativ sicher in Rio dabei, Anna sollte aber noch etwas nachlegen, um es der nationalen Konkurrenz schwerer zu machen. Denn Anwärterinnen gibt es viele, so viele wie schon lange nicht – sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen. Und das, obwohl beispielsweise Sabrina Mockenhaupt wegen ihrer Fußverletzung auf einen Marathonstart verzichtet und Andrè Pollmächer erst diese Woche seine Karriere wegen fehlender Form beendet hat. Steffen Uliczka ist verletzt und Fate Tola ein Unsicherheitsfaktor, weil immer noch nicht klar scheint, ob sie bis Rio wird eingebürgert sein.

Arne Gabius am Start seines Marathondebüts
Arne Gabius am Start seines Marathondebüts
Bei den Frauen mitreden wollen auf alle Fälle die zuletzt sehr starken Katharina Heinig und Anja Schneider-Scherl, vielleicht auch Mona Stockhecke. Bei den Männern haben Arne Gabius, Philipp Pflieger und Julian Flügel Norm und Leistungsnachweis schon in der Tasche, ebenso aber noch Mitbewerber um die drei Olympiaplätze – denn nur die schnellsten Drei fahren mit. Manuel Stöckert und Hendrik Pfeiffer liefen am letzten Wochenende beim Berliner Halbmarathon sehr stark und greifen gemeinsam beim Düsseldorf-Marathon am 24. April an. Und wer weiß, wer noch nach Rio will? In den nächsten Wochen gibt es viele spannende Marathons!

Und während in der Schweiz schon alles klar scheint – Maja Neuenschwander, Christian Kreienbühl und Tadesse Abraham haben Norm und Leistungsnachweis erbracht und wohl keine Konkurrenz zu fürchten – geht es auch in Österreich hoch her. Lediglich Andrea Mayr ist mit ihrer Zeit vom Frankfurt Marathon qualifiziert und wurde letzte Woche fix nominiert. Anita Baierl will es ihr bei einem Marathon Anfang Mai gleich tun. Bei den Männern gibt es drei Kandidaten: Valentin Pfeil will auf seiner starken Halbmarathonform aus Barcelona (64’16) aufbauen und die 2h14 in Wien unterbieten. Auch Edwin Kemboi, der schon zwei Mal knapp an der Norm gescheitert ist, diese bei seiner Bestzeit 2013 aber schon deutlich unterboten hat, versucht sich ein weiteres Mal in der Bundeshauptstadt. Lemawork Ketema Weldearegaye, bekannt durch seine zwei Siege beim Wings for Life World Run, geht eine Woche später in Hamburg an den Start.

Und genau deshalb sind Marathons so spannend! Weil es eben nicht nur um den Sieg geht, sondern um so viel mehr. In ein und demselben Rennen gibt es viele unterschiedliche Zielsetzungen und Herangehensweisen, so viele Spannungskurven, so viele Erfolge und Tragödien. Dazu dann der (teilweise live-)Vergleich zu den anderen Rennen über dieselbe Distanz. Geliefert werden subjektive Eindrücke aus den Live-Bildern wie auch harte Fakten durch die Zwischenzeiten. Da kann hochgerechnet und abgeschätzt werden.

Aus meiner Sicht ist ein Marathon jederzeit spannend: wie wird angegangen? Auf welchen Schnitt eingependelt? Wie ist der Laufstil und die Tagesverfassung? Was sagt die Körpersprache? Werden die Verpflegungsstellen problemlos angelaufen? Um welche Platzierung geht es? Wie sind die Streckenverhältnisse? Und nebenbei gibt es immer gleich eine Stadtführung gratis. Wundervoll, diese Marathons!

Der NDR tut uns in Hannover und Hamburg den Gefallen, die Rennen im Free-TV zu übertragen, Wien gibt es im ORF zu sehen. Live mitfiebern können wir an folgenden Terminen:

10.04.2016
9:00 Uhr Hannover Marathon mit Anna und Lisa Hahner
9:00 Uhr Wien Marathon mit Valentin Pfeil und Edwin Kemboi
10:00 Uhr Rotterdam Marathon

17.04.
9:00 Uhr Hamburg Marathon mit Julian Flügel, Anja Schneider-Scherl, Mona Stockhecke und Lemawork Ketema Weldearegaye

18.04.
15:32 Uhr (Frauenelite) bzw. 16:00 Uhr (10:00 Ortszeit) Boston Marathon

24.04.

8:30 Uhr Zürich Marathon mit Katharina Heinig
9:00 Uhr Düsseldorf Marathon mit Hendrik Pfeiffer und Manuel Stöckert
10:15 Uhr (Frauenelite) bzw. 11:00 Uhr (10:00 Ortszeit) London Marathon mit Arne Gabius

Ich freue mich schon und wünsche viel Spaß! Laufen hilft!

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