Berlin

Willkommen zurück: Halbmarathon Berlin 2017

2016 war aus läuferischer Sicht kein gutes Jahr für mich. Im Frühjahr liefen die Wettkämpfe nicht rund, der Sommer war träge und für den Herbst kam ich zu spät in Form. Ganz klar – 2017 soll wieder besser werden! Ich will an alte Leistungen anknüpfen und neue Bestzeiten laufen. In sehr guter Erinnerung ist dafür der Halbmarathon in Berlin geblieben.

 

Berlin 2015

Wenn ich an den Berliner Halbmarathon 2015 zurückdenke, erinnere ich mich an eine sehr gute Form, die mir beim Wettkampf selbst ermöglichte, ein konstantes Rennen auf hohem Niveau abzuliefern (2 x 10 km in 33’50). Die Randbedingungen dafür waren aber nicht so ideal, wie ich vorher gehofft hatte:

  • Die Startnummernabholung war ein großer Aufwand, den wir am Vortag auf uns nehmen mussten.
  • Das Hotel war viel weiter vom Start entfernt als versprochen, sodass wir uns am Sonntagmorgen in eine überfüllte Stadtbahn quetschen mussten und das Warmmachen vor Ort stressig und stark eingeschränkt war.
  • Trotz eines riesigen Feldes von ca. 23.000 Läufer(inne)n im Ziel hatte ich auf der zweiten Hälfte keine Gruppe, sondern musste mich dem Wind, der in Berlin immer eine Rolle spielen kann, alleine stellen.

Ich sehe also noch Verbesserungspotential, um schneller zu laufen. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Ich wollte es zumindest ernsthaft versucht haben.

 

Berlin 2017 als Ziel

Also stand recht bald nach der Saisonpause im letzten Herbst fest, dass wir ein weiteres Mal für den Halbmarathon nach Berlin reisen würden. Dieses Mal einen Tag früher und im wirklich vom Start nächstgelegenen Hotel, um ausgeruht am Start zu stehen. Das Hotel war schnell gefunden und reserviert – das Rennen aber war schon Ende November ausgebucht! 30.000 Anmeldungen! Einfach unglaublich.

Weil es diesen Bericht gibt, ist klar, dass ich trotzdem noch einen Startplatz ergattern konnte. Was ein Glück, dass ich für LaufReport schreibe – für Journalisten gibt es zusätzlich freigehaltene Startplätze, die aber genauso viel kosten, wie wenn ich mich ganz normal angemeldet hätte. Seit Anfang Dezember ging der Blick dann also zielgerichtet nach Berlin!

Und das Training lief gut. Recht schnell nach der Saisonpause war ich wieder im Rhythmus. Die größte Veränderung im Vergleich zum Vorjahr waren die schnelleren Dauerläufe, die mich gefühlt stark weiterbrachten und schon im Januar für ein sehr gutes Laufgefühl sorgten. Nach dem 50er war der Februar dann etwas müde, ab März lief das Training dann aber richtig gut! Ich glaubte, dass eine neue persönliche Bestzeit im Bereich des Möglichen lag.

Dennoch: nur wegen einer vermeintlich schnellen Strecke so weit fahren? Nein, nicht nur! Der ganze Aufwand einer Reise lohnt sich meiner Meinung nach immer. Erfahrungen fern der Heimat sind unschätzbar wertvoll. Und ganz im Ernst: die schönsten Erinnerungen entstehen um die Rennen, nicht während den Wettkämpfen.

 

Die Anreise

Schon am Freitag ging es mit dem Zug nach Berlin. Mein erster freier Tag im neuen Job. Und obwohl die Bahn natürlich vom Fahrplan abwich, war die Zugfahrt doch angenehm und entspannt. In Berlin angekommen fuhren wir dann erstmal ins Hotel, dann zur Messe, um die Startnummer zu holen. Das Hotel war dieses Mal deutlich besser gewählt: an den Hackeschen Märkten, direkt am Alexanderplatz und damit nur 800 m vom Start entfernt. Die nervige, umständliche und zeitaufwendige Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Rennsonntag würde damit entfallen.

 

Die Vorbereitungen

Auf der Messe war am heutigen Freitag noch nicht allzu viel los. Die Startnummer war schnell geholt, dann noch eine kleine Runde auf der Messe. Am Adidas-Stand konnte ich noch ein paar Worte mit Philipp Pflieger wechseln, der genauso optimistisch auf Sonntag gespannt war wie ich.

Auf dem (verlängerten) Rückweg ins Hotel blieb noch Zeit, Berlin etwas zu bestaunen. Die ganze Geschichte wie auch die vielen so unterschiedlichen Gebäude beeindruckten uns mehr, als wir in Erinnerung hatten.

Am Abend trafen wir uns mit Erhard und Mercedes, zwei Freunden aus Heusenstamm, die auch am Sonntag laufen würden, zum Essen. Am Freitag ging es noch in ein hervorragendes Fischrestaurant, am Samstag würden dann mehr Kohlenhydrate gefragt sein.

Der Samstag dann war ein Traum: sommerlich warm und Sonne satt. Nach einem kurzen Lauf am Morgen und der maßlosen Plünderung des Frühstücksbuffets fuhren wir eine Runde auf der Spree. Wieder beeindruckte uns die Bundeshauptstadt. Dann noch ein kurzer Spaziergang – nur ja nicht anstrengen –, ein Stück Bananenbrot in einem Café und irgendwann zurück ins Hotel. Am Abend ging es dann, wieder mit Erhard und Mercedes, zum Italiener. Nach Pizzabrot und ca. 500 g Spagetti waren die Kohlenhydratspeicher gefüllt bis zum Anschlag.

Der Sonntagmorgen begann dann früh: ein kurzer Auftakt – die Beine fühlten sich gut an! – dann Frühstück. Hunger hatte ich eigentlich keinen, aber ein Brötchen musste schon sein. Draußen war es kühler als gestern, aber das war mir nur Recht. Und dann war da wieder dieser Wind! Eigentlich war keiner angekündigt, jetzt gab es aber doch die ein oder andere Böe.

Kurz nach neun Uhr lief ich mich dann eine gute Viertelstunde warm. Etwas ABC, dann Umziehen und Vorjoggen zum Start. Beim Einsortieren in den Startblock schaffte ich es in die vierte Reihe. Davor kam dann noch die Elite. Und obwohl die Einsortiererei für einiges an Stress sorgt und – siehe beispielsweise Frankfurt – auch entspannter möglich wäre, würde es gleich losgehen. Endlich! Ich konnte nicht anders, ich musste grinsen.

 

Die Strecke

Die Strecke ist noch in guter Erinnerung. Von Anfang bis Ende schnell, ohne Hindernisse: es geht eigentlich nur geradeaus. Hin, eine Linkskurve nach Süden, eine Linkskurve nach Osten, und zurück. Sie wird von den Veranstaltern gerne als die schnellste Sightseeing-Tour durch Berlin beschrieben. Gestartet wird am Alexanderplatz, dann werden der Berliner Dom, die Humboldt-Universität, die Staatsoper unter den Linden, das Brandenburger Tor, der Große Stern, der Ernst-Reuter-Platz, Schloss Charlottenburg, der Kurfürstendamm, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Potsdamer Platz und schließlich die Friedrichsstraße mit dem ehemaligen Checkpoint Charlie passiert, bevor die Läuferinnen und Läufer wieder am Alexanderplatz ins Ziel einlaufen. Problematisch kann eigentlich nur der Wind werden. In diesem Sinne hoffte ich auf bessere Bedingungen als vor zwei Jahren.

 

Das Rennen

Mit dem Startschuss wurde es erstmal chaotisch. Nicht weit vor mir stürzte eine Kenianerin, fast wäre ich noch darüber gefallen, konnte aber noch ausweichen. Viel Platz gab es nicht zum Manövrieren. Nach der Linkskurve wurde es dann entspannter, und die Beine liefen gut! Schon war ich an der „Mocki-Gruppe“ dran und hätte ohne Probleme vorbeilaufen können, entschied mich aber, nach kurzer Rückfrage bei Tempomacher Paul Schmidt (Ansage: 3‘21/km), für diese Gruppe. Gefühlt musste ich bremsen, es rollte!

Besser hätte ich es mir nicht wünschen können! Schon waren wir am Brandenburger Tor. Suboptimal war nur, dass man immer konzentriert bleiben musste, weil sich die Gruppe ständig verschob. Mal gab es einen Tritt in die Hacken, mal einen Rempler. Die Zwischenzeit bei Kilometer 5 an der Siegessäule dafür im Plan: 16’47.

Bei der Wasserstelle kurz darauf nahm ich mir gleich zwei Becher zum Überkippen. Es war deutlich wärmer als gedacht. Genauso der Wind. Und der blies natürlich immer von vorne. Ab und zu wehte es Mocki zu stark, sodass sie sich weiter hinten in der Gruppe verstecken wollte, was immer für viel Unruhe sorgte, weil sich in der Folge ihre beiden Tempomacher (Paul und Clemens Bleistein) auch weiter nach hinten orientierten.

Schließlich kam die Linkskurve bei Schloss Charlottenburg und mit ihr meine ersten Probleme. Durch einen anderen Läufer vor mir, der die Kurve sehr ungeschickt nahm, entstand eine Lücke zur Gruppe. Bis km 10 (17’03 bzw. 33’50 und damit exakt die gleiche Zwischenzeit wie vor zwei Jahren) waren wir fast wieder dran. Dann aber überkam mich plötzlich eine Kombination aus Völlegefühl und Durst.

Die Gruppe musste ich ziehen lassen, zur Aufgabe bereit war ich aber noch lange nicht. Bei der nächsten Verpflegung gab es wieder Wasser für den Kopf und auch einen Schluck zu trinken, danach versuchte ich, was man immer versucht, wenn es nicht mehr rund läuft: einen Schritt vor den anderen setzen. Immer wieder.

Ab und zu überholte mich jemand, Reinhängen wollte aber nie so wirklich klappen. Und immer wieder dieser Wind! Wie war es möglich, dass wir auf dem Hinweg Gegenwind gehabt hatten und es jetzt wieder von vorne blies?

Bis Kilometer 15 (17’45 bzw. 51’26) hatte ich schon ca. eine Minute verloren. Wie schnell konnte es also noch werden? Augen zu und durch! Eine zweite Luft blieb aber leider aus. Es wurde mit 18’12 für den vierten Abschnitt noch ein Stück langsamer, mehr war aber einfach nicht drin. Schließlich kam das Ende in Sicht. Kurz sah ich noch Svenja am Streckenrand, dann konnte ich endlich rechts ins Ziel abbiegen. 1h13’44 für mich.

 

Im Ziel

Tja. Kein gutes Rennen bzw. keine gute zweite Hälfte. Das lächelnde Auge sieht immerhin die neue Jahresbestzeit über 10 km und natürlich auch den Halbmarathon. Das Weinende hat sich mehr erhofft, aber vielleicht habe ich auf der ersten Hälfte zu viel Energie im Gruppengerangel gelassen, vielleicht war es mir auch einfach zu warm.

Trotzdem war es ein sehr schönes Wochenende. Danke Berlin!

Im Hotel durften wir übrigens bis 13 Uhr bleiben, sodass noch eine Dusche im Warmen möglich war. Klasse. Am frühen Nachmittag ging es dann mit dem Zug zurück in die Heimat. Tschüss Berlin, vielleicht bis nächstes Jahr?

 

Der Überblick
Datum: So, 02. April 2017
Ort: Berlin, Deutschland
Wettkampf: 37. Berliner Halbmarathon
Distanz: 21,1 km
Zeit: 1:13:44 h
Platz: 95.
Crew: Svenja
Schuhe: Nike Lunarracer
Ernährung: So viel Wasser wie es gab
Fotos: Svenja

6 Kommentare

  1. Hey Markus!

    Gruppengerangel und Wind, beides leider suboptimal für eine Bestzeit. Naja, es geht vorwärts und die Bestzeit wird schon kommen.

    Gemäß deines vergangenen Blogartikels, was war es denn für ein Wettkampfszenario?

    Ich bin der Meinung, Du solltest mal am Ende eines 2-wöchtigen Urlaubs einen Wettkampf laufen, bei dem Du eine neue Bestzeit aufstellen möchtest. Wäre das nichts für FFM 2017? So zwei Wochen davor mal komplett vom Arbeitsstress abschalten und viel mehr Zeit für Dich (euch) und einen entspannteren Alltag!?

    Wir sehn uns,

    Thomas

    1. Hi Thomas,

      ich würde sagen, eine Mischung! Die erste Hälfte war Szenario 3, die zweite leider 1. Tja, geht eben nicht immer, das nächste Mal wird wieder besser.

      Ein voll ausgeruhter Marathon ist sicher ideal. Die Frage ist bei einem Urlaub, ob ich mich wirklich weniger ausruhe als im Büro. Und bei viel Freizeit ist auch viel Zeit für Gedanken. Ich weiß nicht, ob das ideal ist 😉

      Viele Grüße
      Markus

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